Vegetarische Ernährung für alle?

Frau Holle verweist in ihrem Blog auf ein Interview mit Alexander Dargantz mit der Zeitschrift Schrot & Korn. Auf zwei Aussagen in diesem Interview will ich im folgenden näher eingehen. Zum einen ist er der Meinung, dass er mit seiner veganen Lebensweise der Evolution vorgreift. Mal abgesehen davon, dass ich nicht vorstellen kann wo im Darwinschen Sinne der Vorteil einer vegetarischen oder sogar veganen Ernährung gegenüber den Fleischessern bestehen soll und ich meine auch schon Aussagen von Wissenschaftlern gehört zu haben, dass uns der Verzehr (auch) von Fleisch entwicklungsgeschichtlich erst zu dem gemacht hat, was wir heute sind, steckt in einer solchen Aussage ein sehr starkes Sendungsbewusstsein. Er fühlt sich offenbar einer Elite zugehörig, denn immerhin weiß er ja in welche Richtung sich die Evolution des Menschen entwickeln wird. Hoffentlich weiß die Evolution das auch.

Wenn man die Evolution mal aus dem Spiel lässt, bleibt die Feststellung von A. Dargatz, dass eine massenhafte vegane Ernährung über kurz oder lang zwangsläufig ist, weil die Massentierhaltung in ihrer heutigen Form durch ihre Umweltverschmutzung zur ökologischen Katastrophe führt. Nun ist es zweifellos richtig, dass Massentierhaltung auch ökologisch sehr problematisch ist. Wie aber verhält sich das bei der Erzeugung der Grundlagen der veganen Ernährung? Vermutlich weit über die Hälfte der Weltbevölkerung ernährt sich hauptsächlich von Reis. Der Reisanbau ist neben der Rinderzucht eine wesentliche Quelle für die durch den Menschen verursachten Methanemissionen. Methan ist neben Kohlendioxid ein wesentliches Treibhausgas und trägt somit in erheblichen Maße zur durch den Menschen verursachten Erderwärmung bei. Aus diesem Blickwinkel müsste man also besser heute als morgen auf die Rinder- und Reisproduktion verzichten. Während ich mir das für die Rinderzucht durchaus vorstellen kann, fehlt mir die Fantasie mir vorzustellen, was die Menschen für die Reis das Grundnahrungsmittel Nummer eins ist, statt dessen essen sollen. Dass sich das Problem noch einmal deutlich verschärft, wenn weltweit überhaupt kein Fleisch mehr gegessen wird, ist sicher auch klar.

Ich wage die (vielleicht etwas provokante) These, dass Vegetarismus und erst recht eine vegane Lebensweise in erster Line eine Modeerscheinung wohlstandsverwöhnter (West-) Europäer ist. Warum? Um sich bewusst für eine vegetarische oder vegane Ernährung entscheiden zu können, muss man erstmal die Wahl haben. Die haben Milliarden Menschen jedoch nicht. Sie sind wenn überhaupt, gezwungener Maßen Vegetarier oder Veganer, weil sie einfach keine Möglichkeit haben Fleisch zu essen. Wahrscheinlich würden sie die Diskussion mit Unverständnis verfolgen, eben weil sie völlig außerhalb ihrer Vorstellungskraft liegt.

Natürlich ist eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Ernährung wichtig. Wenn der Einzelne dabei zu einer vegetarischen oder veganen Ernährung kommt, ist das gut. Das macht sie jedoch weder zu besseren Menschen, noch greifen sie damit der Evolution vor, wie A. Dargatz meint. Genauso gibt es nähmlich andere Möglichkeiten, sich gesund zu ernähren. Ich versuche z.B. weitestgehend biologisch erzeugte Lebensmittel zu kaufen. Das entspricht dann durchaus auch meinen Vorstellungen von Ethik in diesem Bereich. Denn natürlich gibt es auch eine artgerechte Haltung. Für die heutigen Haustierrassen, die die Grundlage der menschlichen Ernährung bilden, gibt es kein Leben in der freien Natur. Ob man jedoch z.B. einen Löwen im Zirkus oder Tierpark artgerecht halten kann, glaube ich nicht. Deshalb gehe ich übrigens auch in keinen Zirkus, der Tierdressuren zeigt.

Ach ja, weil das unter anderem in der Diskussion zu dem Interview eine Rolle spielt. Ich glaube durchaus, dass man mit veganer Ernährung Spitzenleistungen im Sport erreichen kann, warum auch nicht? Aber darum ging es mir in meinem Beitrag ja auch nicht.

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37 Kommentare zu “Vegetarische Ernährung für alle?

  1. Oh, wie schön – mein Blog wird also gelesen 😉
    Ich stimme Dir zu, das es mir erst meine westliche Luxus-Lebensart ermöglicht, mich zwischen Veganismus und Mischkost zu entscheiden – gerade deshalb finde es auch so schade, das immer noch so viele „westliche“ Menschen Billigfleisch aus dem Discounter einer leckeren veganen Mahlzeit vorziehen. Wir haben die Wahl – warum entscheiden wir uns immernoch verstärkt für Fleisch?

    Und da immer gerne der Hartz4-Empfänger angeführt muss, der sich nunmal leider kein gutes Bio-Fleisch leisten kann und für den auch der sonstige vegane Kram viel zu teuer ist….auch dieser wäre meiner Meinung nach mit einem großen Topf Linsen ernährungstechnisch (und übrigens auch preislich) besser beraten als mit Schweineschnitzel ausser Kühltheke bei Aldi (die in der Pfanne eh nochmal auf die Hälfte zusammenschrumpfen).

    Übrigens kann ich nirgendwo erkennen, das sich Herr Dargatz einer „Elite zugehörig“ fühlt….scheint subjektive Wahrnehmung zu sein 😉

    Ich bin sehr gespannt auf weitere Kommentare zu diesem Beitrag – zu mehr Text bin ich aber leider zu dieser Uhrzeit noch nicht fähig 😉

  2. Ach ja, welch ein Thema – meinen verwirrten Kommentar hast Du bei Frau Holle wahrscheinlich gelesen. Ist wahrscheinlich wirklich nur eine Entscheidung, die man für sich selbst treffen kann – ohne fundierte Grundlage sondern emotional.

  3. Übrigens stimme ich Dir zu, das es für eine Milchkuh oder ein Haushuhn kein Leben in der freien Natur gäbe…ob es dennoch „artgerecht“ ist, diese Lebewesen als Hochleistungs-Produktionseinheiten für die menschliche Ernährung heranzuzüchten und entsprechend in Produktionsbetrieben zu halten, wage ICH persönlich gemäß meines ethischen Empfindens doch mal zu bestreiten. Süß übrigens, das Du nochmal deutlich betonst, das man als Vegetarier KEIN besserer Mensch ist *hihi*

  4. Frollein Holle: Wenn jemand meint, die Richtung der Evolution so genau zu kennen, dass er ihr durch sein Handeln sogar vorgreifen kann, zählt er zweifellos zu einem auserwählten Kreis, sprich zur Elite. Wenn er dieser Meinung nicht wäre, wäre es ja auch eine Nummer kleiner gegangen. Ansonsten stimme ich dir uneingeschränkt zu, ach nein, das Wort „süß“ finde ich irgendwie deplaziert 😉

    Allerdings ist mir vegan zu anstrengend und in meinen Alltag wohl auch nur mit großem Aufwand integrierbar. Vegetarische Gerichte gibts dagegen recht häufig.

  5. Naja, Ralf – ich finde Du interpretierst da doch ziemlich viel in einen einzigen Satz hinein, der zudem gerade mal einen Minimalprozentsatz des gesamten Interviews ausmacht. Aber wurscht, ich kenne Herrn Dargatz nicht persönlich und weiß nicht wie es gemeint war. Vielleicht isser wirklich ein elitärer Stinksack, wer weiß das schon 😉

    Vegan ist übrigens nur in den ersten ein bis maximal zwei Wochen „anstrengend“ bzw. aufwändig…mittlerweile ist bei mir alles absolut easy und eingespielt.

    Aber ich finde, die Hauptsache ist, wenn man seine Ernährung und Lebensweise öfter mal hinterfragt und überdenkt so wie Du es tust…egal, zu welchem Ergebnis man kommt.

  6. Also ich stimme dir zu Ralf. das Sendungsbewusstsein sich vegan ernährender Menschen ist gemeinhin sehr groß, Ausnahmen, die ich sogar kenne, ändern nichts daran, dass es so ist.
    Ich bin sogar dafür, einmal zu prüfen, ob man sich vegan ernähren könnte in unseren Breitengraden ohne Einfuhr von Couscous aus dem warmen Orient. Das wird nämlich sehr oft vergessen. Der Energielieferant im Winter war einfach traditionell das Fleisch, denn man kann es glauben oder nicht, im Winter wächst hier nichts und das einzige, was so lange hält, sind Kartoffeln. Dieser Aspekt wird meines Erachtens zu wenig beachtet. Die Fleischgier der angeführten Harztz4 Empfänger halte ich auch für zu hoch. Ausgewogene Ernährung und ein Gesundheitsbewusstsein ist tatsächlich an Bildung gebunden. Hinterfragen der Ernährung ist also immer gut, aber eben nur, wenn man so verwestlicht ist, dass ein Überdenken sinnvoll ist. Fleisch ist tatsächlich eine Energiquelle. Physiologisch ist der Mensch für Mischkost ausgelegt, sich gegen Fleisch zu entscheiden ist nicht physiologisch sinnvoll sondern einzig moralisch und das hat der Mensch ja den Tieren immerhin voraus.
    Nicht jedes Huhn leidet beim Eier legen, sicher ist es für Kühe nicht immer schön, soviel Milch mit sich rumzutragen aber darum werden sie ja auch gemolken. Für mich ist es am Nachmittag auch nicht mehr schön, soviel Milch rumzutragen und ich freue mich auf den Säugling zuhause, der da Abhilfe schafft, ich verstehe sie also wirklich gut.

    Liebe Frau Holleleinchen, es ist wirklich so, dass sich die meisten Veganer bemüßigt fühlen, zu missionieren und vor allem, sich dem gelobten Land der reinen Seele näher zu dünken. Oft sagen sie dann noch verteidigend, dass sie niemanden beleidigen wollen, denn irgendwann käme ja jeder Mensch dahinter, dass es besser ist, vegan zu leben und ich weiß nicht, ich glaube, sie merken es nicht mal.

    mandy

  7. Oha – ich hab das schon durch. Ich hol mir ne Tüte Popkorn und les weiter zu.

    Wie bereits gesagt, ich finde das Thema insofern schwierig, da es für mich als Nichtmediziner und Nichtökologe nicht nachvollziehbar ist, ob es der Welt nun besser täte, dass wir auf Fleisch verzichten bzw. es gesünder wäre, wenn wir uns vegan, vegetarisch oder gemischt ernähren. So viel hab ich bei den Diskussionen der letzten Tage und meiner Suche nach fundierten Berichten schon mal rausgefunden.

    Maßhaltigkeit ist wahrscheinlich das, was der Gesellschaft gut täte. Wenn der Fleischkonsum eingedämmt würde und die Menschen das essen, was der Gemüsegarten in der jeweiligen Jahreszeit hergibt, dann wäre schon vieles besser. Esst Kohl und kocht Frollein Holles Wirsingrezept nach. 😉 Die Diskussionen über vergan, vegetarisch oder omni…irgendwas führen wohl zu nichts.

  8. stimmt anja und kohl ist der jahreszeit entsprechend. das gefällt mir schon mal gut.
    die maßhaltigkeit ist das große zauberwort glaube ich.

    mandy

  9. Mandy, ich bin mir jetzt nicht so ganz sicher, ob Du Dich in eine „Hochleistungs“-Milchkuh mit prallem, unnatürlich großen Euter reindenken kannst 😉

    Dazu aus der FAZ- „Gab eine Kuh vor zweihundert Jahren bestenfalls knapp tausend Liter Milch jährlich, so gilt heute das Sechsfache als wirtschaftlich vertretbare Untergrenze. Vor allem die Rasse der Holsteiner Schwarzbunten ist derart streng auf Milchleistung selektioniert. Immer ausgeklügeltere Kraftfuttermittel kamen auf den Markt und haben aus dem einst genügsamen Wiederkäuer eine Art Bioreaktor gemacht. Zehn Millionen Kühe waren um 1930 herum noch notwendig, um den Milchbedarf des Deutschen Reichs zu decken. Nicht einmal die Hälfte stehen heute in deutschen Ställen und produzieren jährlich 28 Milliarden Liter.“

    Link dazu – http://www.faz.net/s/Rub80665A3C1FA14FB9967DBF46652868E9/Doc~E26FEF8B5684544CDAB3DBCF6AD593732~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Huch..na, der ist ja lang 😉

  10. Frieden…? Ist das für Dich etwa “Streiten”…?

    Ich wollte streiten? *blödguck* erinner‘ ich mich gar nicht dran …

    Bei jedem Streit ziehe die Versöhnung selbst dem leichtesten Siege vor.(Georg Christoph Lichtenberg)

    Im Streit geht die Wahrheit stets verloren.(Publius Syrius) … und oft auch Freundschaft und soziale Gemeinsamkeiten [Anmerkung Elisabeth M.]

    Wenn Zwei sich streiten, meditiert der Dritte. geklaut auf einer Internetseite, die erstaunlicherweise http://www.wennzweisichstreiten.de/ heißt und zum Thema die Meditation hat 🙂

  11. Nee, Lissbätt….Du hast doch „Frieden!“ geschrieben und das klang so wie „Kinder, streitet euch nicht“….und ich hab‘ mich gefragt, ob so eine Diskussion für Dich etwa wie „Streiten“ wirkt und Du deshalb friedlich einschreiten wolltest 😉
    Jessas, so VERSTEH mich doch 😉

  12. Stimmt ja, das mit der Milch. Ich finde ja nur, dass die industrielle „Erzeugung“ von Fleisch und Milch furchtbare Auswüchse im Miteinander zwischen Mensch und Tier sind aber das trotzdem nicht dafür steht, dass das Melken von Kühen an sich schrecklich ist. Das Zurückfinden zu natürlichen Bedingungen und Zuchtformen, das wünsche ich mir. Das verlangt selbstverständlich, dass der Konsum von Milchprodukten überdacht werden muss, dass gehandelt werden muss.
    Sagte ich schon, dass ich das Wort: Maßhaltigkeit richtig gut finde.

    mandy

  13. Und bevor ich komplett zur link-spuckenden Klugscheisserin mutiere (Hilfe!), verziehe ich mich mal lieber auf die Couch vor den warmen Ofen.

    Sorry, Ralf…fürs Verwässern und so!

  14. Schöne Diskussion. Leider habe ich im Moment keine richtige Zeit, da ich dringend noch ein paar Sachen fertig machen muss. Aber lasst euch nicht stören 😉

  15. Aber die linkspuckende Klugscheißerin, das war doch ich – ich bin verwirrt *g*

    Aber sicher streitet ihr und ich VERSTEH dich ja – aber die anderen doch auch. Ich verstehe EUCH ALLE *harhar* (es war schon in Schultagen eine Beschimpfung als mir ein mir sehr werter Klassenkamerad an den Kopf war: „Du mit deinem beschissenen Verständnis für jeden Scheiß!“)

    Nein – im halbwegsen Ernst: Streiten kann eine sehr fruchtbare Sache sein, wenn auf beiden Seiten noch Offenheit herrscht. Finde ich. Macht ruhig weiter. Mir selber ist im Moment nur nicht danach – der „Frieden“ drückte eher meinen eigenen momentanen inneren Zustand aus als ein Appell an andere … oder so … ich glaube , ich komm mit auf die Couch. Wenn ich darf :o)

  16. Da mich Lissbätt ja eh von meiner Couch verdrängt hat, will ich noch schnell anmerken, das ich einen sachlichen Meinungsaustausch (von mir aus auch streitend, wenn es sein muss) immer hochspannend finde. Ich selbst neige ja oft dazu (eben auch mangels entsprechender medizinischer/ökologischer/sonstiger Ausbildung und entsprechendem Hintergrundwissen), mich leicht überzeugen zu lassen wenn die Infos nur einseitig sind und keine Gegenstimmen kommen…und dann letztlich nur das zu glauben, was mir „bequem“ ist. Deswegen sind Gegenargumente und andere Sichtweisen für mich wichtig und inspirierend, damit ich nicht allzu einseitig denke 😉

  17. Frl. Holle, das geht mir auch so. Ich habe heute nur keine Nerven für eine Diskussion. Morgen irgendwann nach dem Laufen bestimmt. Da fällt mir ein, arbeiten muss ich auch noch ein wenig 😉

  18. *vonner Couch rüberruf*: „Da simmer uns ja einig!“ … im Prinzip … was die Streitlust angeht. Aber ich guck‘ mal ’ne Runde nur zu. *wieder ausstreck und rumräkel*

  19. gut, dann machen wir heute abend weiter, ich muss jetzt los.

    übrigens glaube ich, dass man noch vor 100 Jahren froh war, die Milchproduktion gesteigert zu haben, denn es ging in weiten Teilen der Bevölkerung immer noch um die Bekämpfung von Hunger.

    bis denne
    mandy

  20. Wir leben aber nun im 21. Jahrhundert, Mandy, in meinen Augen hat so eine Argumentation keine Substanz 😉
    Meine Oma, die in der Nachkriegszeit durch Landwirtschaft 8 Kinder ernähren musste und 2 weitere Kinder durch Krankheiten verloren hat, hätte mir garantiert einen Vogel gezeigt, wenn ich ihr mit „Veganismus“ gekommen wäre – und das absolut mit Recht.

    In der heutigen Zeit haben wir (zumindest „wir“ die wir hier diskutieren) aber nun mal kein Hungerproblem – und die Milch, die aus der gesteigerten Produktion gewonnen wird, wird nun mal nicht genutzt um den Welthunger zu stoppen.

  21. Daniela, wenn man vegetarische oder sogar venage Ernährung als Gesellschaftsmodell propagiert, so wie in dem zitierten Interview, sollte man schon ein paar Überlegungen zur Belastbarkeit dieser These anstellen. Mir fallen da im Wesentlichen drei Möglichkeiten ein.

    Die erste besteht darin, die Angebotsvielfalt so zu lassen wie sie ist. Wenn, sagen wir mal ganz Deutschland sich vegetarisch ernähren würde, müsste man vermutlich deutlich mehr „exotische“ Lebensmittel (also Dinge, die hier entweder nicht zu bestimmten Jahreszeiten oder gar nicht wachsen) importieren. De Folge wäre vermutlich eine (weitere) Verschärfung des Hungers in der Welt, weil die Preise für viele Grundnahrungsmittel, die bei uns als vegetarische Delikatesse gelten, deutlich steigen würden.

    Die zweite Möglichkeit besteht darin, sich im Wesentlichen auf das zu beschränken, was der heimische Acker so hergibt. Natürlich könnte man dann die Vorratswirtschaft noch deutlich ausbauen, aber ich denke schon, dass es recht lange Zeiten im Winter geben würde, wo die Mahlzeiten etwas eintönig wären. So ähnlich war das ja seinerzeit in der DDR. So weit ich weiß, wurde nichts importiert, was man nicht selbst erzeugen konnte. Da gab es also weder Äpfel aus Neuseeland noch Paprika aus Spanien oder Tomaten aus Holland und schon gar nicht das ganze Jahr. Zweifellos ist jeder satt geworden aber die Winter waren manchmal ganz schön lang.

    Die dritte Variante wäre, halb Deutschland zu überdachen und all die „exotischen“ Sachen selbst herzustellen. Der dazu notwendige Energieverbrauch würde vermutlich alle Grenzen sprengen und aus ökologischer Sicht wäre das wohl Selbstmord.

    Keine der drei Optionen klingt für mich tauglich. Das schließt für mich selbstverständlich nicht aus, dass sich der Einzelne für eine vegane oder vegetarische Lebensweise entscheidet, nur daraus ein allgemeingültiges gesamtgesellschaftliches Modell ableiten zu wollen (und hier meine ich wieder A. Dargatz) scheint mir doch sehr weit hergeholt zu sein.

  22. Ich finde es generell verdammt schwierig, eine „allgemeingültige“ Wahrheit festzulegen und eigentlich sollte das auch niemand (auch nicht Herr Dargatz) tun. Je mehr ich mich mit dem Thema befasse, umso schwieriger finde ich es selbst für mich festzulegen, was „richtig“ und was „falsch“ ist. Ich versuche z.B. grundsätzlich, dort wo es möglich ist eher auf regionale Produkte zurückzugreifen – also deutsche Äpfel statt spanischer etc.
    Nun habe ich aber irgendwo gelesen (und jetzt muss ich wirklich „irgendwo“ sagen, weil ich den Bericht nicht mehr wiederfinde), das es unter dem reinen Aspekt der Ökobilanz/Schadstoffemission sogar vernünftiger wäre, die spanischen Äpfel zu kaufen, da es weniger Energie verbraucht, diese nach Deutschland zu fliegen anstatt deutsche Äpfel nach der Ernte hier monatelang auf Gas im Kühlhaus zu lagern. Tja..und nun? Werde ich einfach weiterhin das tun, was mir persönlich am symphatischsten ist, nämlich die deutschen Bio-Äpfel kaufen…und mich weiter informieren. Ob das „richtig“ ist…?

    Vielleicht wäre bei Deinen aufgezeigten Optionen eine Mischung aus Punkt 1 u. 2 nicht verkehrt….und immer mal versuchen, den eigenen Konsum zu überdenken. Aber letztlich entscheidet man da eh emotional (und im wahrsten Sinne des Wortes „aus dem Bauch raus“).

  23. wir haben früher die Äppel von den Streuobstwiesen immer auf dem Dachboden gelagert. Die wurden dann zwar ganz schrummbelich – aber hielten – eigentlich ständig leckerer und süßer werdend – bis rein in den nächsten Sommer.

    Müsste man eben die Äppelsorten wieder so umstellen, dass es hauptsächlich lagerfähige Äppel sind, ein paar Monate lang eben mal drauf verzichten und das eingekochte Mus essen. Oder so …

    Mein Bruder hat ’ne Streuobstwiese gekauft und lässt aus den Früchten ein paar Dörfer weiter in einer kleinen Privatkelter- und -brennerei Saft und Wein keltern und Schnaps brennen. Auch ’ne nette Konservierungmethode, oder? 🙂

    Lizzy – auch nicht im Besitz der allgemeingültigen Wahrheit und mit nur noch 3 Gläsern selbst eingekochten Appelmus im Keller. Aus selbst am Bahndamm geklauten Bioäppeln (um die Bäume kümmert sich nämlich keiner – geschweige denn, dass jemand die spritzen oder begasen würde)

    … und mit zwei frisch vom Kollegen geschlachteten Hühnern in der Fahrradsatteltasche im Keller.

  24. Achtung nicht ganz ernst gemeint ob der meiner Meinung nach teilweise ernst geführten Diskussion:

    Wenn der liebe Gott gewollt hätte das ich Veganer werde, hätte er mich als Kuh geboren…

    Vegetarier sind eigentlich die viel schlimmeren Menschen, weil sie den Tieren das Futter wegessen…

    Wie sieht eigentlich so ein Tofu Tier aus wenn es auf der Weide steht?

  25. An alle, die Franky nicht kennen:

    Der tut nix, der will nur spielen, ich nehme ihn auch gleich wieder an die Leine 🙂

  26. Aber wenn, dann doch bitte originell – DIESE Sprüche habe ich echt schon 100x gehört 😉

    Auch immer gerne genommen – „Wenn ich Tiere nicht essen darf, warum sind sie dann aus Fleisch“? oder „Mein Essen scheißt auf Deins“… ;)))

  27. Ich kann auch hier bestätigen, was Ralf sagt. Wenn es im Winter keine Möglichkeit gibt, Obst und Gemüse zu importieren, dann ist alles auf dem Teller nicht frisch, nicht originell. Ausschließlich eingeweckte Kirschen für die, die auf dem LAnd leben und eingeweckte Brechbohnen. dazu Kartoffeln. Manchmal vergesse ich ja, wie das so war, aber genau so war es, es gab kein Gemüse, kein frisches Gemüse im Winter im März sind Äpfel schon sehr schrumplig. Das kann sich hier veilleicht keiner so richtig vorstellen, wie das war, außer Heidrun vielleicht. Natürlich ist niemand verhungert, aber hier auf dem Land haben wir ja auch geschlachtet, Hüner, Schweine, Kaninchen. Man griff auf Konserven zurück und war einfallsreich.

    Noch mal zur Ertragssteigerung bei Milch etc. Nicht nur Kühe schleppen bis zu zehnmal mehr Milch mit sich rum, auch Getreideähren. Wie weit reicht unsere Ethik, wo macht sie halt. Ist Ertragssteigerung und das Bestreben danach grundsätzlich zu verdammen? Nur weil wir mehr als satt sind? Andere sind es nicht. Und ist es verboten, Nutztiere zu halten, wenn ja, warum eigentlich.

    Und jetzt betone ich noch mal, dass hier sehr wenig Fleisch auf den Tisch kommt, eigentlich in der Woche vegetarsich gelebt wird und blöde Sprüche fallen mir eigentlich nicht ein. Wenn man sich aber mit veganer Ernährung besser fühlt, dann ist das Grund genug, es dabei zu belassen.

    mandy

  28. Zumindest meinem Empfinden nach (das sich aus Nachrichten, Zeitungsberichten etc. zusammensetzt) ist aber eine Ertragssteigerung nur eine Profitsteigerung der entsprechenden Konzerne und Branchen…ich lese ständig über eine höhere Effizienz in der Milch-/Fleischproduktion und eben auch in anderen Bereich der Nahrungsmittelindustrie. Und Genmais und Soja sind ja überhaupt die Chance schlechthin, um den Welthunger zu stoppen…gleichermassen steigt die Zahl der Hungernden in der Welt an – wo also fließt der höhere Ertrag hin?
    Dazu spucke ich doch gleich nochmal einen Link aus:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,583990,00.html

    Und ich persönlich finde es (emotional gesehen) schon reichlich widerlich, sich ein Lebewesen als effiziente Produktionseinheit zurechtzuzüchten….Weizen hingegen berührt mich jetzt moralisch sowatt von überhaupt nicht 😉
    Letztlich ist ja sowieso kaum irgendwas auf unseren Tellern „natürlich“…keine unserer heutigen Obstsorten, keine Gemüsesorte gäbe es in dieser Form in der „wilden“ Natur ohne Eingreifen und Züchten durch den Menschen.

  29. Die Frage „Wo fließt der Ertrag hin?“ war jetzt übrigens nicht rhetorisch…ich versteh’s wirklich nicht ;)) Mir fehlt da halt leider das entsprechende Hintergrundwissen über Politik und Wirtschaft.

  30. Eben, der große Schöpfer ist hier tatsächlich der Mensch. ich habe ein gutes Gefühl dabei, in einen Apfel zu beißen, der geschmacklich verbessert ist. Hildegard von Bingen hielt Birnen und Äpfel roh für den Menschen nicht zuträglich. Kann ich mir vorstellen, denn überwiegend wuchsen Holzapfel udn Holzbirne. Gekocht war es dann aber in Ordnung.
    Ein Überdenken und ein schnelles Handeln gerade in der Tierhaltung finde ich sehr wichtig. Auch ich finde den Gedanken widerlich, dass Tiere jämmerlich vegetieren, soviel Fleisch ansetzen, dass sie es selbst nicht mehr tragen können. Das ist eine Perversion. Ganz klar.
    Beim Weizen geht es auch weniger um sein Seelenleben, das tangiert mich auch gar nicht, aber was sit mit den Böden, denen immr höhere Erträge abverlangt werden? Es spielt so vieles eine Rolle.

    mandy

  31. Und genau hier spielt das Tier, wieder eine große Rolle. Es gibt mit seinen Ausscheidungen dem Boden zurück, was der Feldbau ihm nahm. Klar, man kann mineralisch düngen, chemisch sozusagen. Biodynamische Landwirtschaft heißt das Prinzip.

    Und noch immer will ich nicht zum Fleisch essen animieren.

    mandy

  32. Wo der Gewinn hinfließt? ich weiß es ncht. Leider. Nur, über die Kritik der Konzerne an ihrer Wirtschaft komme ich noch immer nicht zu dem Ergebnis, dass es schlecht ist, Hühner zu halten und ihre Eier zu essen.

  33. Ich empfinde einen Austausch von Ansichten nach wie vor nicht als Überzeugungsarbeit, Mandy…ich fühle mich von Dir also nicht „zum Fleischessen animiert“, aber danke das Du nochmal drauf hinweist 😉

    Aber ich hab‘ nun auch keine Lust mehr hier im Netz den Pausenclown zu spielen, da quatsche ich doch lieber persönlich mit Dir ohne irgendwelche Zu-Leser.

  34. Ich vermute, von dem Gewinn haben alle etwas, wenn auch nicht alle gleich viel. Die Handelskonzerne ganz sicherlich, man munkelt ja, die Herren Al.di zählen nicht zu den Beziehern von Hartz4 😉 Die Erzeuger sicher auch, wenn ihre Klagen ganz sicher auch berechtigt sind. Hie kommt es offensichtlich sehr darauf an, was man erzeugt. Natürlich auch wir als Verbraucher. Ich glaube kaum, dass Lebensmittel in Deutschland so billig wären, wenn es nicht möglich wäre, sie so effizient zu produzieren.

    Ich möchte mich bei euch für die Diskussion bedanken, sie war für mich sehr interessant.

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