Von allem ein bisschen

Wenn ich das Auto zur Durchsicht bringe und zu Hause arbeiten kann bedeutet das, zweimal zu laufen. Die Leute in der Werkstatt erstarren fast in Ehrfurcht, wenn ich im Läuferdress den Autoschlüssel abgebe, dabei sind es bis zu mir nach Hause doch mal gerade 7 km, wenn ich den kürzesten Weg nehme. Damit sich die Aktion aber lohnt, nehme ich den längeren Weg, das sind dann 13 km. Es ist wieder kalt geworden, wenigstens scheint die Sonne und der Wind hat im Vergleich zu den letzten Tagen nachgelassen. Die Strecke, die ich laufe ist Teil der größeren, 20 km Runde, die ich am Dienstag schon mal als Tempodauerlauf gelaufen bin. Ich merke schon nach einigen Metern, dass heute nicht der Tag für Rekorde ist und freue mich, dass ich ohnehin erst morgen wieder ein bisschen Tempo machen will.

Zum Mittag mache ich mir dann einen großen Topf Spagetti. Natürlich weiß ich, dass das ein Fehler ist. So wie ich mich jetzt fühle, würde ein Mittagsschlaf gut tun. Trotzdem wird das Auto irgendwann fertig und ich trete wieder vor die Tür. Inzwischen ist es etwas wärmer geworden aber das ist auch die einzige Verbesserung gegenüber heute morgen. Schon nach wenigen Schritten wird mir klar, dass ich mindestens einen Teller Nudeln zu viel hatte. Zusammen mit dem reichlich genossenen Apfelsaft und der Tomatensoße entwickelt sich im Magen ein explosives Gemisch. Um es nicht zur Explosion zu bringen, ist volle Konzentration angesagt und so schleiche ich in Richtung Autohaus. Nach 700 m freue ich mich, dass immerhin schon 10% geschafft sind.

Auf einmal mache ich ein paar hundert Meter voraus einen Schäferhund aus, wenige Augenblicke später bemerke ich, dass er ohne Leine unterwegs ist und noch ein Meter später, dass er zu unseren Nachbarn gehört. Der Hund ist an sich gut erzogen, aber noch recht jung, er weiß möglicherweise noch nicht, dass er sich beim Biss in eine austrainierte Läuferwade die Zähne abbrechen würde. Trotzdem gelingt es, Hund und Nachbarin ohne Probleme zu passieren, zu mehr als einem „Hallo“ reicht die Kraft aber an dieser Stelle schon nicht mehr und noch liegen 5,5 km vor mir. Ich versuche gerade, das Rätsel zu lösen, wie ich die restliche Strecke hinter mich bringen soll, da erblicke ich auch schon den zweiten Schäferhund. Haben die Wandertag heute? Auch wieder nicht angeleint. Der Hund trottelt links und rechts des Radwegs im Gras herum, seine Begleitung versucht ihn zu rufen. Offenbar hat der Hund was an den Ohren, er zeigt sich jedenfalls völlig unbeeindruckt.

Ich nutze die Chance, eine Gehpause einzulegen, die Frau ruft mir zu: „Der tut nix“. Das finde ich beruhigend, nicht dass ich es glauben würde, aber vor ein paar Tagen war mal ein Bernadiner auf mich zugestürmt und da hatte die Frau, die zu diesem Hund gehörte, das nicht gesagt … Der Schäferhund heute hielt jedenfalls mehr oder weniger unabsichtlich auf mich zu. Die Frau rief: „Rechts vorbei!“ Ich wusste nicht, meint sie mich oder den Hund, wenn wir uns beide angesprochen fühlten, prallten wir schlussendlich doch zusammen. Irgendwie schafften wir es dann aber doch, aneinander vorbeizulaufen.

Ausgerechnet heute, wo ich nur über die Piste schlich und man auch bei wohlwollender Betrachtung nicht von Laufen, sondern höchstens von Joggen 😉 sprechen konnte, begegnete ich einer ganzen Reihe von Bekannten, sogar welche aus meinem Verein. Was werden die jetzt denken? Bin ich jetzt Gesprächsthema beim nächsten Lauftreff? Schließlich war es geschafft, ich war im Autohaus angekommen und war froh, dass ich nach Hause fahren konnte.

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4 Kommentare zu “Von allem ein bisschen

  1. Ich erlaube mir mal aus einer anderen Geschichte zu zitieren:

    Sehr beliebt bei Hundebesitzern ist der Ausspruch: „Der tut nichts, der will nur spielen“, was so viel heißt wie: „Der hat bisher nichts getan, jetzt hat er aber Hunger!“ 😉

    Wer in den genuß der ganzen Geschichte über Hunde und das damit verbundene Gassi-gehen kommen möchte, dem sei:

    http://www.karikatur-cartoon.de/schwarzer_humor/hund.htm

    ans Herz gelegt 😉

  2. Das ist positives Denken, ganz klar. Zu denken „schon 10% geschafft“ statt „oh je, das waren erst 700 m“.
    So einen Spaghettibauchlauf hatte ich mal in meinen Laufanfängen, ich dachte ich muss sterben, ein einziges dahinschlappen.. Seitdem esse ich 4 Std. vor einem Nachmittagslauf das letzte Mal. das passt meist.

    Beim Lauftreff bist Du jetzt am Wochenende bestimmt Gesprächstthema Nr. 1 😉 Joggen … Du … passt irgendwie nicht so richtig für meine Begriffe. Aber es ist witzig, gestern habe ich einen TDL gemacht, da begegnet mir kein Mensch, zumindest kein Läufer, als ich auslaufe und vor mich hin schleiche, da kamen mir einige entgegen, die ich sonst auch treffe. Da dachte ich auch „warum muss ich denen eigentlich immer dann begegenen, wenn ich wieder schleiche und nicht wenn ich mal flotter unterwegs bin“. 😉

  3. Oh wie kommt mir das bekannt vor.

    „Sie werden abgeholt?“ werde ich immer besorgt in meiner Werkstatt gefragt, übrigens seit Jahren. Obwohl die Laufklamotten wie bei Dir deutlich darauf hindeuten, dass ich wohl nach Hause laufen werde. 😉

  4. Franky, als jemand der seit Jahren um nicht zu sagen seit Jahrzehnten mehrmals in der Woche läuft, kann ich alle Hundebegegnungsgeschichten selbst schreiben 🙂

    Michi, es gibt in unserem Verein auch noch Läufer, für die das Wohlfühltempo nicht bei 3.45 min/km liegt. Die treffen sich dann Montags. Die Schnellfüße der Sonntagsrunde brauchen nicht zwangsläufig einen Anlass, um sich über meine Laufkünste kaputt zu lachen 😉

    Lars, ich spiele auch gerne in der Apotheke oder beim Bäcker den Supermann. Nur beim Optiker klappt es nicht, der hat eine Marathon PB von unter 2:30 h und wenn er gar nicht trainiert läuft er ungefähr 50 km pro Woche.

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