Wilhelmsburger Insellauf

Normalerweise fahre ich keine 130 km, um an einem 10 km Wettkampf teilzunehmen. Irgendwann vor drei oder vier Monaten hatte mich ein Kollege gefragt, ob man in eben diesem Zeitraum so fit werden könnte, dass man an einem 10 km Lauf teilnehmen könnte. Da dieser Kollege nun noch keine 70 ist, sondern ganz im Gegenteil sogar 15 Jahre jünger als ich und noch dazu ein ehemaliger Fußballer ist, sollte das wohl kein nennenswertes Problem sein. Ich fand die Idee ganz nett, auch an diesem Lauf teilzunehmen und so fügte es sich gut, dass H. ohnehin noch eine Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ansehen wollte, denn dort werden zur Zeit Porträts von Romy Schneider gezeigt. Bedauerlicherweise musste der Kollege dann doch die Teilnahme an dem Lauf absagen, ich aber war ja schon angemeldet und ein Rahmenprogramm hatten wir ja auch geplant.

Den Lauf selbst gibt es schon in der 29. Auflage, angeboten werden Walkingstrecken über 5 und 10 km, Läufe über 5 km, 10 km und 20 km sowie ein Kinderlauf über 1.200 m. Auf diese Strecken teilen sich etwa 850 Starter auf, das Ganze ist also einigermaßen überschaubar. Als wir nach problemloser Anreise am Ort des Geschehens eintrafen, liefen gerade die 5 km Läufer ein und ich musste wieder mal feststellen, dass ich zweifellos für die falsche Strecke gemeldet hatte, denn erstens wäre ich bei einem Start über die 5 km jetzt schon fertig und zweitens hätte ich es wohl auch zum ersten Mal aufs Treppchen geschafft zumindest dann wenn man mal optimistischerweise annimmt, dass ich die 5 km knapp unter 20 Minuten laufen kann. Nun ja, ich wollte ja heute über die doppelte Strecke leiden und so schlecht kann ein 10 km Wettkampf gar nicht besetzt sein, dass ich da irgendwas gewinnen könnte, egal welche Zeit zum Schluss dabei rauskommt.

Die äußeren Bedingungen waren einfach traumhaft. Die Sonne schien, keine Wolke am Himmel, die Nacht war klar und kühl und so waren es zur Sartzeit so um die 10 – 12 Grad. Dazu ein leichter Wind. Ein guter Tag also, meinen über den Winter etwas käsig gewordenen Armen und Beinen die Sonne zu zeigen, also fand der Lauf in kurz / kurz statt und für solche Fälle habe ich ja passender Weise das Hitzeset von Rono, das ich vor einiger Zeit bei Papa Greif erstanden habe. Die Gardrobe wird vervollständigt von meiner Racebrille, sowie den Soucony Tangent. Die Schuhe sind zwar schon etwas in die Jahre gekommen und haben sicher schon mehr als 2.000 km auf der Sohle, dafür erinnern sie mich immer ein bisschen an ein Sofa und leicht sind sie außerdem. Dummerweise haben keinen roten Besatz (wie das Raceset) und so sieht das ganze etwas zusammengewürfelt aus, aber hier kennt mich ja keiner.

Wie üblich bei Läufen dieser Größenordnung laufe ich eine Minute vor dem Start von vorne in die Startaufstellung rein. Allerdings habe ich hier doch ein wenig das Gefühl, fehl am Platz zu sein und so starte ich aus der 4. oder 5. Reihe. Mir ist ohnehin nicht klar, was heute so möglich ist. Zum einen habe ich in diesem Jahr, wenn man mal vom Halbmarathon in Kiel absieht, überhaupt noch keine Tempoeinheiten gemacht, zum anderen war ich in letzter Zeit erkältet und den Husten habe ich immer noch. Jetzt erzählt der Starter auch noch, dass die Kilometermarkierungen für die 20 km Strecke gelten, d.h. der erste Kilometer ist ca. 300 m zu kurz und auf dem zweiten Abschnitt stimmt dann gar nichts mehr.  Na ist ja auch egal.

Also los! Am Anfang stolpere ich über ein paar Läufer, die sich in der Startaufstellung wohl etwas vertan haben aber dann geht es. Da ich ja leider nicht weiß, wann ich den 1. km passiert habe, hoffe ich einfach mal, dass es passt und ich wie immer zu schnell bin, also 3:50 min oder so. Vom Gefühl her müsste das eigentlich ganz gut passen, schließlich habe ich mir schon einmal die alles entscheidene Frage gestellt und von mir aus hätte das Ziel auch schon nach 500 m da sein können. Ist es aber nicht! Bei km 2 wird mir das ganze Ausmaß des Elends deutlich, ich stoppe eine 4:04 min, der 3. km geht dann sogar für 4:10 min weg. Oh Gott, wie bringe ich meinem Körper jetzt bei, dass das kein Halbmarathon ist, sondern nur ein 10 km Lauf? Als ich für den 4. km sogar 4:17 min brauche, ist mein Widerstand endgültig gebrochen. Eine Zeit irgendwo im Bereich meiner Bestzeit wird es ohnehin nicht mehr, also beschließe ich einen Tempodauerlauf aus der ganzen Angelegenheit zu machen. 10 km TDL im Rahmen einer Halbmarathonvorbereitung sind sicher eine wertvolle Trainingseinheit und über die HM Strecke habe ich in diesem Jahr noch etwas vor (der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an die 4 sek.). So sieht es dann aus, wenn man nach 10 km beim Zieleinlauf noch auf seinen Laufstil achten kann.

Zieleinlauf 10 km

Zieleinlauf 10 km

Die Zeit entspricht mit 42:28 min im Kilometersplit ziemlich exakt meiner meiner Halbmarathonbestzeit. Schnellste Frau bin ich auch nicht geworden, dazu hätte ich in den Bereich meiner Bestzeit laufen müssen. So reihe ich mich mit dem Gesamtplatz 20 und dem AK Platz 6 da ein, wo ich immer lande, nämlich im Niemandsland oder wenn man es postiv ausdrücken will irgendwo unter den ersten 10 Prozent. Insgesamt eine sehr schöne, gut organisierte Veranstaltung, die mich (bzw. uns) im nächsten Jahr vielleicht wiedersehen wird.

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10 Kommentare zu “Wilhelmsburger Insellauf

  1. Unter den schnellsten 10% zu sein macht es meiner Meinung nach leichter, das Ergebnis positiv auszudrücken. Wenn ich das schaffen will, kann ich eigentlich immer nur sagen: „ich wurde nicht letzte“ ;o)

    Interessant finde ich, dass dich Portraits von Romy Schneider locken – wobei ich auch der Meinung bin, dass sie eine sehr ausdrucksstarke und vielschichtige Frau war.

    Mit Dank für den Bericht grüßt aus dem Niemandsland ins Niemandsland

    Lizzy

    (die auch in eine 6°C kalte Ostsee mit den Füßen reingegangen wäre 🙂

  2. Ich wusste gar nicht, wie eitel Männer sein können und die Schuhe noch passend aussuchen wollen ;o).
    Herzlichen Glückwunsch zu den schnellsten 10%, das hat doch was.

    Ich mag Romy Schneider auch sehr. Es gab und gibt nicht viele ihres Formats im deutschsprachigen Raum.

  3. Na unter den ersten 10 % zu sein wäre für mich das absolute Highlight – aber so sind die Betrachtungsweisen unterschiedlich. Und @Lizzy, ein Mann, der Ton in Ton läuft, schaut sich auch Romy Schneider Portraits an. ;-)) Nee mal im Ernst, ich war in der letzten Zeit in 2 Fotografie-Austellungen und mag das im Moment mehr als gemalte Kunst. Die Ausstellung hätte mich auch interessiert und ich laufe NICHT Ton in Ton (wenn ich denn laufe).

  4. Also mal ehrlich, die Schuhe … meine Güte … die passen ja überhaupt nicht zum Race Outfit. Was für eine grausame Farbkombination *gröhl* Da hast Du schon so schicke neue rote und ziehst solche Dinger an?? Geht ja mal gar nicht 😉
    Ach so, ich meine das natürlich nicht ernst, nicht das jemand denkt, ich bin jetzt total ausgetickt *lach* Ich laufe normal auch nicht Ton in Ton, jedenfalls nicht absichtlich. In Hamm war das aber fast so, zufällig, ehrlich gesagt, ich kam mir fast komisch vor, weil ich dachte, die anderen denken bestimmt, das wäre farblich abgestimmt, hihi.

    Unter den ersten 10% finde ich gut, echt! Aber sag mal, der Lauf startete morgens, wenn ich es richtig interpretiere mit den Temperaturen? Wieso morgens und hier momentan alle Nachmittags? Ich zieh um.

    Romy Schneider Portraits hätte ich mir auch angeschaut. Ich finde die Frau klasse. Überhaupt mag ich gut fotografierte Portraits. War bestimmt eine interessante Ausstellung.

  5. Ach so, das Foto ist – natürlich abgesehen von der schlimmen Farbkombination – ziemlich gut. Ich glaube, Du hast einen ganz guten Laufstil oder, zumindest lässt der Kniehub, noch dazu beim Zieleinlauf, das ganz gut vermuten.

  6. Mich locken nicht so sehr Porträts von Romy Schneider, sondern Porträts an sich. Sie könnten von mir aus auch von Lieschen Müller sein. Mich interessieren da mehr die Aufnahme- und Entwicklungstechniken. Auch die Bildstile der unterschiedlichen Fotografen finde ich sehr interessant. Bei H. liegt der Schwerpunkt sicher mehr (aber eben nicht nur) auf der Schauspielerin. Sehr interessant war in diesem Zusammenhang übrigens eine Ausstellung in Schleswig über Tierfotografie. Da standen bei den Bildern auch immer noch die technischen Daten, also Kameratyp, Belichtungszeit, Blende und Brennweite.

    Mit meinen neuen Brooks bin ich noch nicht so richtig verwachsen, die muss ich wohl bei Gelegenheit mal über eine 30 km Strecke schicken. Das Bild finde ich auch sehr gelungen. Das ich noch so auf meinen Laufstil achten konnte, lag aber eher an der grottigen Zeit. Normalerweise ist der Zieleinlauf eher der ort für Fotos, mit denen man dringend vom Laufsport im Allgemeinen und von der Teilnahme an Wettkämpfen im Speziellen abraten kann.

  7. Lieber Ralf,
    das nächste Mal bin ich mit dabei. Dann darfst du mich direkt mit anmelden und ich hoffe die Wochen davor sind dann ruhiger bei mir und nicht durch solch traurige Zwischenfälle gespickt.
    Vielleicht geben wir dann ja zu zweit ein Farb-Harmonisches Paar ab dem so leicht keiner widerstehen kann. Und wenn wir dann noch die Berater-Leuchten auf den Kopf schnallen sind wir sowieso ganz weit vorn.

  8. Danke für den schönen Bericht – das klingt interessant.
    Und Gratulation zur Zeit – auch wenn nicht Bestzeit, angesichts des bisherigen Trainings ja doch ganz ordentlich 😉

  9. Hallo Ralf,

    nach langer Zeit mal wieder ein nettes Hallo.
    Bist ja schon wieder in Bestform 😉
    Gratulation zum Rennen in Wilhemsburg.
    Sag mal wie sieht es aus mit dem SunRun in Grömitz?
    Ich will meine 1:34:00 toppen.
    Bist du dabei?
    Zur Zeit geh ich 6 x die Woche ins Gelände. Wenn du willst können wir uns ja mal in Grömitz zu einer Trainingsrunde treffen.

    Gruss

    Frank von run4fun

  10. Moin moin,

    Ein schöner Bericht vom Lauf, den ich dieses Jahr zum ersten mal mitgemacht habe. Die Erlebnisse deckten sich auch dieses Jahr mit Deinen Beschreibungen 🙂

    Gruß,
    Bastian

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