Alle Jahre wieder …

… ist, wenn ich es nicht verpasse mich anzumelden, mein Saisonauftakt der Kiel Marathon Ende Februar. Seit einiger Zeit starte ich dort allerdings immer nur auf der halben Distanz, denn erstens muss ich mir eingestehen, dass das Training was ich absolviere am ehesten ein Halbmarathontraining ist und zweitens habe ich für längere Läufe (und die sind nun mal für eine einigermaßen passable Marathonzeit notwendig) im Winter weder Lust noch Zeit. Um also den Saisonstart nicht zu verpassen, hatte ich mich frühzeitig angemeldet und siehe da, auch in diesem Jahr war der Lauf wieder ausverkauft.

Irgendwann im letzten Herst hatte ich ja angefangen, ein bisschen Tempotraining zu machen, das mir das ganz gut bekommen war, hatte die neue Bestzeit beim Kiellauf gezeigt. Leider war nun aber das Wetter so, dass Tempotraining jedenfalls für mich bei Abwägung der Gefahren durch vereiste Strecken nicht möglich war, dafür kosteten die Läufe im Schnee doch häufig genug sehr viel Kraft und waren auch meistens nicht so lang, wie ich es gerne gehabt hätte. Ein paar Läufe auf trockenem Untergrund in den letzten 2 Wochen deuteten jedoch an, dass ich niht so schlecht in Form war.

Das Wetter an diesem Morgen war typisch für Kiel um diese Jahreszeit. Es war recht windig, es regnete und die Temperatur bewegte sich so um 3 Grad. Die klassische Laufstrecke war gesperrt, weil irgendein Sturmtief seine Spuren dort hinterlassen hatte, so gab es eine Ausweichrunde, die gut 7 km lang war und deshalb dreimal durchlaufen werden musste. Bei der Schuhwahl hatte ich auf eine eisfreie Strecke gesetzt und mich für die Soucony Sinister, also meine blauen Rennschlappen, entschieden. Als ich auf dem Parkplatz auf einem harmlosen Stück Eis ausrutschte und mich fast langgelegt hatte war klar, das das Rennen gelaufen war, wenn es auch nur eine Eisstelle unterwegs gab. Gab es aber nicht, um das gleich vorweg zu sagen, die Strecke war, jedenfalls dort wo ich gelaufen bin, absolut eisfrei.

Pünktlich zum Start hörte es auf zu regnen, der Wind kam auf den ersten 2 km von hinten und ich fand mich unversehens in der ersten Startreihe wieder. Ich hatte mich natürlich auch ein bisschen eingelaufen und dabei schon mal die möglichen Gegner in Augenschein genommen. Hier waren wieder alle Kategorien vertreten. Die Starter in kurz / kurz genauso wie die, die aussahen als wenn sie zur Polarexpedition aufbrachen (dort muss man sein Essen und Trinken ja auch selbst mitnehmen). Ansonsten versuchte ich mal einen Tipp von Jack Daniels umzusetzen und beim Aufwärmen schon ein bisschen im Wettkampftempo zu laufen. Nicht die schlechteste Idee wie sich herausstellte.

Nach dem obligatorischen Hinweis, dass man aufpassen sollte, weil doch sehr viele Läufer auf der Strecke waren, ertönte schließlich der Startschuss und los ging es. Links und rechts flogen die Läufer an mir vorbei, ein Blick auf die Uhr belehrte mich allerdings, dass ich den Start keineswegs verpasst hatte, denn da stand eine Pace von 3:24 min/km. Kurz überlegte ich, was da wohl für eine Endzeit rauskommen würde und beschloss, dass ich das nicht durchhalten konnte. Also versuchte ich ein bisschen zu bremsen, allerdings mit mäßigem Erfolg. So fügte ich mich in mein Schicksal und lief einfach in einem Tempo zwischen 3:45 und 4:05 min/km. Schließlich hatten wir Rückenwind und die Zeit würde schon schlechter werden, wenn der Wind erst mal von vorne kam und da waren dann ja auch noch ein paar Wellen zu laufen.

Wurde sie aber nicht (die Zeit), jedenfalls nicht merklich. Ich beschloss, einen zweiten Tipp von Herrn Daniels auszuprobieren und mir jetzt (nach etwa 5 km) keine Gedanken darüber zu machen, ob ich dieses Höllentempo tatsächlich bis zum Schluss würde durchhalten können, sondern mich auf die vor mir liegenden nächsten Meter zu konzentrieren. Ich hatte jetzt Anschluss an eine kleine Gruppe gefunden, die von der führenden Frau angeführt wurde. Ich versuchte irgendwie aus Gesichtsausdruck und Laufstil zu ermitteln, ob diese denn in der Lage sein würde, das Tempo durchzuhalten (die Endzeit deutete irgendwo in den Bereich von 1:27 h hin). Zu diesem Zeitpunkt schien es so, also beschloss ich erst mal dabei zu bleiben. Die erste Runde war in 29 min. absolviert, ich lag also etwa eine knappe Minute vor der Zeit, denn ich hatte eine einfahce Rechnung, die da lautete pro Runde 30 Minuten ergibt zum Schluss eine Zeit von 1:30 h.

Die zweite Runde verlief im Grunde wie die erste, allerdings war die Läuferin nun doch zurückgefallen und es hatte sich eine neue Gruppe gebildet. Das Tempo war immer noch sehr hoch, eigentlich viel zu hoch, jedenfalls auf den flachen Passagen, denn dort zeigte die Uhr immer noch Pacewerte von unter 4 min/km an. Die welligen Abschnitte im Gegenwind waren aber doch schon ein bisschen langsamer. Als ich das zweite Mal an Start und Ziel vorbeilief, zeigte die Uhr knapp 58 min an, die 14 km Marke war also absolviert und so richtig anstrengend war es noch nicht. Wir liefen jetzt in einer Dreiergruppe, jedenfalls bis zur nächsten 180 Grad Wende. Diese Wenden muss ich wohl noch mal üben, auf jeden Fall zerlegte es an dieser Kehre die Gruppe und hörte auf, auf die Uhr zu schauen. Die jetzt folgenden Kilometer (wir erinnern uns: wellig und Gegenwind) waren doch schon recht hart. Hinter mir hörte ich den Atem eines Läufers aber ich dachte nicht daran, ihn vorbeizulassen. Schließlich war auch die letzte Kehre erreicht und jetzt ging es mit Rückenwind ins Ziel. Ich gab noch mal richtig Gas und gönnte mir auch wieder einen Blick auf die Uhr. Schließlich erreichte ich das Ziel in 1:27:57 h als 25. Gesamt und 5. der AK. Die alte Bestzeit habe ich damit um 1:10 min unterboten. So kann es weiter gehen in diesem Jahr.

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8 Kommentare zu “Alle Jahre wieder …

  1. Erste, Erste …. ich darf als Allererste gratulieren.

    Ich muss nicht sagen, dass mich solche Zahlen schwindelig machen. Dann mach mal so weiter in diesem Jahr, ich lese gespannt mit.

  2. jepp! alles gut gelaufen.
    Ich hatte ja vermutet zu lesen: pünktlich zum Start FING ES AN zu regnen….aber auch das war gut gegangen.

    ach Kiel ach Kiel…

    mandy

  3. Hallo Nordläufer,

    super! Ich gratuliere zu der Zeit und das nach dem tempoarmen Training. Ich hoffe mir geht es in Berlin einen Monat später genauso.

    LG
    gretel

  4. Anja, mir wird bei solchen Zahlen auch schwindlig, zum Glück schaffe ich dieses Tempo noch nicht konstant über die gesamte Strecke 😉

    Hannes, und ich würde gerne mal ein Training so durchziehen wie du, dann würde ich nämlich sehen, was wirrklich gehen würde.

    Nein Mandy, das Wetter wurde tatsächlich besser, zum Schluss schien sogar die Sonne.

    Kerstin, Vielen Dank!

    Gretel ,willkommen hier und ich wünsche dir einen erfolgreichen Wettkampf!

    Allen vielen Dank für die Glückwünsche!

  5. Wow, wie toll ist das denn?? Super gemacht, herzlichen Glückwunsch! Da haben die Tipps des Herrn D. ja geholfen 😉 Mir scheint Du hattest genug zu schauen, mit neuen Gruppen, einzuordnen, wie es den anderen geht und ob da Tempo gehalten werden kann.
    Schön, dass auch die Bedingungen noch so einigermaßen waren, keine Eisstellen ist ja schon hilfreich 😉 gut, dass Du Dich vorher noch fangen konntest und nicht lang gemacht hast.
    Mannomann, nicht auszudenken, wenn Du mehr Zeit hättest … bin auch gespannt, was Du noch so laufen wirst 🙂

    PS: Sorry, einen Tag bevor Du das hier geschrieben hast, muss ich hier reingelinst haben, aber da stand noch immer nix Neues 😦 😉 Und wenn dann was Neues da ist, dann zeigt das blöde Reader Feeder SChießmichtot-Ding das nicht an. Aber ich hoffe mal, Du magst auch spätere Kommentare.

    PPS: Hast Du schon weiteres geplant?

  6. Michi, auch dir (wenn auch etwas verspätet, herzlichen Dank! Ja, ich war in der Tat gut beschäftigt während des Laufs, man muss aber auch auf soviel achten während eines Wettkampfes, schlimm das 😉

    Der Daniels ist schon richtig gut, ich lese oft vor dem einschlafen noch etwas und träume dann von einer phänomenalen Marathonbestzeit im Herbst. Vorher werde ich wohl auch noch den einen oder anderen kleinen Wettkampf laufen aber der Fokus, der liegt ganz eindeutig im Herbst. Man darf gespannt sein (ich bin es auch).

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