Das Marathontraining kann beginnen

Als ich mich vor einiger Zeit für den Lübeck-Marathon angemeldet hatte, dachte ich mir, du bist im Moment ganz gut drauf und einen Marathon bist du auch schon eine Weile nicht mehr gelaufen, außerdem ist er relativ in der Nähe und wäre ein schöner Saisonabschluss. Irgendwelche Gedanken an eine Zielzeit (vielleicht noch eine, die mit meinen HM-Zeiten in Verbindung zu bringen wäre) habe ich standhaft und auch recht erfolgreich verdrängt. Es ist zu dem Zeitpunkt schon klar, dass ich es nicht mehr schaffen werde, ausreichend lange Läufe zu machen, außerdem ist die Strecke je nach dem von wo der Wind kommt durchaus anspruchsvoll und ich will lieber einen halbwegs gelungenen Lauf hinlegen als zu pockern und dann 10 km oder mehr zu wandern.

Das Wetter versprach schon Anfang der Woche eklig zu werden aber dass es so eklig werden würde, hätte ich dann auch nicht gedacht. Wolkenbruchartige  Regenfälle in Verbindung mit Wind der Stärke 5 und 6 Grad stellen wenigstens für mich nicht das ideale Wettkampfwetter dar. Aber was soll’s, nun war ich einmal da und dann wird auch gelaufen. Für den Start hatte der Regen ein Einsehen und war nicht ganz so stark, so dass man zwar nass wurde aber nicht schon komplett durchgeweicht war, bevor es überhaupt losging. Da ich einen zu schnellen Beginn unter allen Umständen vermeiden wollte, stellte ich mich irgendwo in der Mitte des Starterfeldes auf und harrte der Dinge, die da kommen würden. Meinem FR war es wohl auch zu nass, jedenfalls brauchte er gut 2 km, bevor er einen Satelitten fand. Nun ja, ich hatte beschlossen, mich heute nicht verrückt machen zu lassen und mich zu dem Zeitpunkt als die Uhr endlich anfing zu arbeiten bereits darauf eingestellt, eben ohne zu laufen. Vielleicht konnte ich ja unterwegs hin und wieder mal jemanden fragen.

Es ging zunächst recht zügig voran, Kunststück kam der Wind doch auf den ersten 21 km fast direkt von hinten. Nach ungefähr 7 km lief ich auf die Gruppe mit den beiden führenden Frauen auf und die nächsten 10 km war es ein recht entspanntes Laufen. Bei km 17 musste ich mal in die Büsche und danach war die Gruppe natürlich weg. Die Zeiten lagen irgendwo zwischen 4:35 und 4:45 min/km, aber der interessante Teil der Strecke kam ja noch. Nach gut 21 km war der Wendepunkt in Travemünde erreicht und jetzt wurde es doch ziemlich eklig. Der Wind von vorne und der Regen, derzwischenzeitlich sogar mal kurz aufgehört hatte, setzte wieder ein. Als ich aus dem Herrentunnel raus kam, traf mich fast der Schlag, so heftig regnete es jetzt. Alle Sachen waren total durchnässt und in den Schuhen stand das Wasser. Aber was soll man machen, wenn man noch 8 km vor sich hat. Aufhören ist jetzt auch keine Option mehr, weil man am Verpflegungspunkt erfriert, bevor man zu Start und Ziel gefahren wird. Also weiter, wird schon irgendwie gehen. Lust hatte ich zwar keine mehr aber zu langsam durfte man auch nicht laufen, sonst fing man an zu frieren.

Nach 3:26 h war ich dann im Ziel, bin sofort zum Auto gerannt, habe mich umgezogen und bin nach Hause gefahren. Insgesamt bin ich durchaus zufrieden, es ist genauso gekommen wie ich es mir gewünscht habe. Eine Zeit, auf die ich das Wintertraining aufbauen kann und im nächsten Jahr schauen wir mal was möglich ist, wenn ich nicht nur 50 km pro Woche im Schnitt laufe und auch ein paar lange Läufe einstreue, die diese Bezeichnung auch verdienen.

Advertisements

5 Kommentare zu “Das Marathontraining kann beginnen

  1. Das ist schön, wenn man locker so einen Marathon unter 3:30 aus dem Ärmel schütteln kann, oder? Herzlichen Glückwunsch!

    Erinnert mich ein wenig an meinen Lübeck Marathon vor zwei Jahren. Wind und Regen passen wohl einfach zu Lübeck.

  2. äh – momendemal. Du bist einen Marathon gelaufen oder wie versteh ich das richtig? (hätte fast geklappt, der Versuch, mich hier rauszugraulen – Trainingslaufberichte les‘ ich ja eigentlich nie. Überflieg‘ höchstens mal kurz. Diesmal waren beim Überfliegen zu viele Widersprüchlichkeiten drin 😉 )

    Super Zeit jedenfalls! Kannste Dir nen Riegel Marzipan drauf essen – für den Energiehaushalt oder so …

  3. @Hannes: Fairerweise muss man natürlich sagen, dass man mit einer HM-PB von 1:26 h einen Marathon wohl immer unter 3:30 h laufen können sollte. Aber natürlich ist es schon ganz nett, selbst bei einem völlig vergeigten Lauf (was dieser keinesfalls war) immer noch im 1. Drittel anzukommen. Zumindestens muss man sich dann nicht mit der Frage befassen, ob ein Marathon über 5 h … – na du weißt schon 😉

    @Lizzy: Ja, es war in der Tat ein Wettkampf. So reines Marzipan mag ich übrigens nicht so besonders. Ich war zwar nach dem Marathon in Lübeck noch einen heißen! Kaffee trinken aber mein Magen hatte noch keine Lust auf essen, egal was 🙂

    @Eva: In guter Näherung werden es jetzt 30 Jahre sein. Wie das „damals“ so war, habe ich übrigens hier mal aufgeschrieben:

    https://nordlaeufer.wordpress.com/2009/05/27/der-schnellste-lauf/

  4. Hoppla, mal so eben einen mäßig vorbereiteten Schietwetter-Marathon in 3:26 hingelegt – da bin ich wirklich mal gespannt, was du nächstes Jahr mit systematischer Vorbereitung hinbekommst! Herzlichen Glückwunsch auf jeden Fall zur feinen Zeit und zum erfolgreichen Kampf gegen die Lustlosigkeit auf den letzten nassen Kilometern!

    LG,
    Anne

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s