Sonntag

ich bin schon eine Weile wach als ich beschließe, aufzustehen und eine kleine Morgenrunde zu laufen. Es ist Sonntag früh um 6:00 Uhr und auch wenn das hier das Land der Frühaufsteher ist, in dem ich mich gerade befinde bemühe ich mich trotzdem, keinen unnötigen Lärm zu machen. Die Laufsachen sind teilweise noch feucht vom gestrigen Lauf. da hatte es die ganze Zeit genieselt und ich galt als Held (oder verrückt oder beides), weil ich bei dem Wetter trotzdem gelaufen bin. Heute morgen ist es zwar trocken aber die Sachen sind eben noch feucht. Das ist natürlich einigermaßen unangenehm aber was soll’s.

Als ich vor die Tür trete, ist es noch dunkel und da ist es besser, nicht auf der Landstraße zu laufen, nicht dass mich ein noch schlafender, womöglich auch noch restalkoholisierter Wagenlenker übersieht. Hier in der tiefsten ostdeutschen Provinz brennen in den Dörfern auch im letzten abgeschiedenen Winkel fast die ganze Nacht die Straßenlaternen, dazu breite Fußwege, die man um diese Zeit naturgemäß für sich hat. Auf dem Hinweg scheinen auch die Hunde noch zu schlafen, hier gibt es praktisch hinter jedem Zaun und jeder Mauer einen, alle sehr pflichtbewusst oder gelangweilt, vielleicht haben sie auch Angst, dass sie in den Topf kommen, jedenfalls wird man üblicherweise von einem mehr oder weniger wütenden Hundegebell begleitet, wenn man durch’s Dorf läuft. Heute dagegen Stille, jedenfalls auf dem Hinweg.

Ich laufe aus dem Dorf raus, über einen Feldweg zur nächsten Bahnhofsstation. dort drehe ich um und laufe den gleichen Weg wieder zurück. Ziemlich einfallslos aber mir geht es heute eher um die 5 oder 6 km. Der Plan ist, heute Nachmittag zu Hause noch mal 8 bis 10 km zu laufen und damit doch noch auf 50 km für diese Woche zu kommen. Auf dem Rückweg geschieht dann ein Wunder. Aus der Morgendämmerung lösen sich zwei in Ballonseide gewandete Walker. Vielleicht waren es auch Spaziergänger, denn einen Walkingschritt konnte ich nicht erkennen. Laut (laut sprechen hier praktisch alle) wünschen sie mir einen guten Morgen, ich erschrecke mich, wie jedesmal ein wenig, grüße aber natürlich zurück (in normaler Tonlage).

Der Lauf heute Nachmittag verläuft ereignisarm, wenn man davon absieht, dass ich mich nach 4 km fühle wie nach 35 km bei einem Marathon.

Fazit der Woche: 50,2 km -> Ziel erreicht!

Die Woche im Rückblick

… war eigentlich gar nicht so schlecht.

Seit ewigen Zeiten bin ich am Sonntag mal wieder mit meinen Laufkumpels durch die Gegend gejoggt. Aus der ehemals doch recht leistungsorientierten Gemeinschaft ist inzwischen ein Joggertreff geworden, bei  dem aber nach wie vor das Erzählen von Witzen im Mittelpunkt steht. Nur dass sich das nicht mehr bei einer Pace von deutlich unter 5 min/km abspielt und ich daher auch ohne akute Atemnot mitlachen kann.

Heute also: Stehen zwei Ehepaare an der Klippe, der eine Mann stößt seine Frau hinunter, schreit der andere „Mord, das war Mord!“. Sagt der erste: Ich kann meinen Drachen steigen lassen, wo ich will! Also immer getreu dem Motto, kein Niveau ist so tief, dass man es nicht noch unterbieten könnte.

Schön war’s! und insgesamt 54 km!

Ziemlich schwer

Irgendwie komme ich nicht mehr so richtig in Tritt. Es gibt zwar Tage, an denen läuft es ganz gut aber meistens ist es doch ein ziemlicher Krampf. Gestern z.B. etwas über 11 km in fast 1:04 h. Ein Gefühl wie eine hochschwangereKuh, nichts von wegen leicht, locker und beschwingt. Dabei laufe ich vom Gefühl her gar nicht so langsam, habe manchmal sogar etwas Körperspannung und dann schaue ich auf die Uhr und denke, gleich überholen mich die Jogger.

Wenn es eine Steigung hoch geht, ist sowieso gleich Feierabend, sagt- und kraftlos eiere ich den Hügel hoch. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich alt, also so richtig alt werde bzw. schon bin aber es ist schon frustrierend. An so etwas wie Marathon ist im Moment gar nicht zu denken, kaum bin ich mal 19 km am Stück „gelaufen“, schon bin ich drei Tage tot. Und die ganze Reiserei tut ihr Übriges. Zug, Flugzeug, Bahnhof und Flughafen sind mein eigentliches Zuhause.

So, jetzt genug gejammert, morgen wird wieder gelaufen!