Von der Einsamkeit des Langstreckenläufers

kann beim Kielmarathon natürlich keine Rede sein. Auf einer Pendelstrecke von knapp 6 km tummeln sich in drei Disziplinen (10 km, HM und M) insgesamt ca. 2.000 Läufer. Ich hatte mich irgendwann Ende des letzten Jahres für den Marathon angemeldet mit der Idee, diesen als zügigen langen Lauf zu absolvieren. Etwa seit Dezember laufe ich ja wieder etwas mehr und so dachte ich, ich würde dann bereits wieder genügend Kondition und Tempohärte haben, um leicht unter einem Schnitt von 5 min/km laufen zu können, ohne gleich „All In“ gehen zu müssen.

Leider kann es, wie schon so oft in letzter Zeit anders. Ende Januar hatte ich mir eine Reizung / Überlastung / was auch immer im Übergang zwischen dem rechten Fuß und dem Schienbein zugezogen, die teilweise höllisch weh tat und auf das ganze Schienbein ausstrahlte. Da meine sonst so bewährte Taktik, zwei Ruhetage zu machen und ansonsten die Verletzung einfach zu ignorieren diesmal leider nicht funktionierten, versuchte ich es mit mehreren Ruhetagen und verbrauchte eine Tube Voltaren. Nach drei Wochen hatte ich das Gefühl, dass die Verletzung irgendwann vorbei sein könnte. Ich konnte immerhin schon schmerzfrei loslaufen und beim letzen Lauf vor dem Marathon kamen die Schmerzen auch erst etwa bei Kilometer 10.

Da ich nun schon mal bezahlt hatte, beschloss ich einfach mal nach Kiel zu fahren und zu sehen, wie lange das dann ging. Der Vorteil dieser Streckenführung ist ja der, dass man praktisch aller 10 km am Auto vorbeiläuft und nicht nach 20 km irgendwo in der Pampa auf eine Mitfahrgelegenheit warten muss. Da ich völlig ambitionslos war, hatte ich erstens viel zu viel an und startete irgendwo in der Mitte des Feldes. Als Pace hatte ich mir eine 5:15 min/km überlegt.

Das war nun aber genau die Geschwindigkeit, wo man nach der ersten Runde in den HM-Start kam und deshalb war die Strecke von nun an sehr voll. Im Grunde war es mir aber egal, ich freute mich, dass mir heute zur Abwechslung mal nichts weh tat. Nach 20 km fing ich an zu überlegen, ob es denn so eine schlaue Idee war, quasi noch verletzt und in den letzten 30 Tagen insgesamt nur mit 98 km auf der Uhr an einem Tag 42 km laufen zu wollen. Da ich immer nicht beschwerdefrei war, zog ich kurzerhand die Option mit dem Auto und beendete das Läufchen. Die Uhr sagt 21,3 km in 1:51 h, also ziemlich exakt eine Pace von 5:15 min/km.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass ich meine Verletzung wohl überwunden habe (das ist das Schönste) und dass ich einen Wettkampf nicht so lala laufen kann. Es darf doch gerne anschließend (und bei Bedarf auch die nächsten Tage) alles weh tun und nicht so, dass ich heute schon wieder 13 km durch den Wald gelaufen bin. Beim nächsten Mal also wieder zu schnell loslaufen und dann gepflegt eingehen.

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7 Kommentare zu “Von der Einsamkeit des Langstreckenläufers

  1. Klasse, alles richtig gemacht!

    Es ist halt so, dass wir in unserem Alter die öfters auftretenden Defizite in den „partiell morschen“ Knochen schlichtweg durch angewandte Mittelaltersweisheit ausgleichen müssen.

    Fazit: Zwei Stunden an der frischen Luft ohne nachhaltige Beschwerden sind sicherlich ein prima Ergebnis 😉

    Viele Grüße
    Lars

  2. Ja, ja die Mittelaltersweisheit! Irgendwie ist es ja uncool, einfach so aufzuhören. Aber so sind sie halt, die alten Männer!

    Maty, willkommen hier! Insgesamt waren es in der letzten Woche schon wieder 58 km, das ist für meine Verhältnisse recht ordentlich.

    Nun weiß man das bei diesen kleinen Läufen vorher ja immer nicht so genau aber wenn ich gesund geblieben wäre hätte ich sogar die Altersklasse gewinnen können 3:32 h), immerhin nur 1:04 h langsamer als der Sieger! Alter Schwede! (in diesem Fall natürlich ein junger 😉 aber für die Schweden ist der Lauf wie gemacht, morgens um 9:15 Uhr mit der Fähre aus Göteburg ankommen, schnell ein kleines Läufchen und Abends wieder zurück!

  3. Du hast nichts, also gar nichts über die Förde, das Wetter, den Wind geschrieben. Das muss man sich alles denken. Aber ansonsten klingt es nach einem guten Läufchen.

  4. Sehr sachlich und Kopfgesteuert entschieden, bravo.
    Weiss nicht ob ich das könnte.
    Allerdings mag ich ja keine gleichen Runden rennen, da fällt in der tat die vernünftige Entscheidung für den Ausstieg leichter.
    Haste gut gemacht, Glückwunsch.

  5. Mandy, du hast Recht. Dabei war das Wetter für Kieler Verhältnisse traumhaft. Sonnenschein bei etwa 5 Grad und nur wenig Wind, der aus der Förde heraus wehte, man hatte also auf dem ersten Teilstück Rückenwind. Das liebe ich ja, da kann man sich gut warmlaufen.

    @Runningbirki: Am besten finde ich da den HM. 2 Runden sind ok, den Marathon bin ich dort zwar auch schon gelaufen aber der ist mental schon recht anstrengend. Herzlich Willkommen hier!

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