Die Nacht der Nächte oder „Einmal musst du nach Biel“

Die Idee, einen Ultra zu laufen, hatte ich schon lange und immer war es der 100er in Biel, der mich faszinierte. Ich kann gar nicht genau sagen, warum, vielleicht war es eben jenes Buch von Werner Sonntag mit dem Titel „Irgendwann musst du nach Biel“, welches ich zwar nicht gelesen habe, aber bei dem mich die Titelaussage begeisterte.

Die Jahre gingen ins Land und irgendwann hatte ich das Gefühl, wenn ich es nicht bald machen würde, wird das nichts mehr. So traf es sich, dass ich zum einen in diesem Jahr 55 Jahre alt wurde, zum anderen die 60. Austragung der Bieler Lauftage stattfand und ich außerdem mit Henning einen Mitläufer akquirieren konnte. Henning hatte irgendwann mal auf meine Frage, welchen Lauf er denn gerne noch machen würde oder gerne gemacht hätte, auf eben den 100er in Biel verwiesen und so beschlossen wir irgendwann, es gemeinsam anzugehen.

Ich hatte mal irgendwo gelesen, ein 100er wäre die letzte Strecke, die man ohne Training laufen könnte. Das machte uns Mut, denn für ein gezieltes Training, das wurde uns beiden recht schnell klar, fehlte uns schlicht die Zeit. Ohne Training heißt natürlich nicht, ohne irgendwelche Lauferfahrung oder das man vorher überhaupt nicht laufen muss, aber wir beschlossen für uns, dass wir auf Grund unserer jahrzehntelangen Lauferfahrung erstens eine gute Grundlagenausdauer hatten und zweitens hoffentlich auf die Fragen, die sich während des Laufs stellen würden, eine gute Antwort finden würden.

Um uns nicht unnötig zu verunsichern, ersparten wir es uns irgendwelche Trainingspläne anzusehen oder uns nennenswert mit der Strecke zu beschäftigen. Wir hatten gehört, der Kurs in Biel sei flach, darunter versteht der Schweizer sicher nicht ein Streckenprofil wie in Nordfriesland aber mit unseren Strecken in der Holsteinischen Schweiz sollten wir ganz gut dabei sein. Da die Strecke außerdem durch urbanes Gebiet führt war anzunehmen, dass man keine umfangreiche Pflichtausrüstung benötigt, was uns als erklärte Laufpuristen sehr entgegenkam. So hatten wir neben 20 Franken für den Bäcker noch ein Telefon mit und damit hatte es sich. Für die Nacht hatten wir jeder eine Taschenlampe dabei, meine war eine für 3 Euro von irgendeinem Wühltisch, die ich einfach wegwerfen konnte, wenn sie mich zu sehr störte.

Das „Training“ (wir vermieden es sorgfältig, unsere Laufbemühungen so zu nennen) gestaltete sich wie erwartet, schwierig. Ende letzten Jahres liefen wir 40 km am Stück, das ging ganz gut, der nächste längere war dann eher eine Katastrophe. Dann bekam ich eine Erkältung und es kamen ein paar andere Dinge dazwischen, jedenfalls kamen wir nie so recht in Fahrt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Von der Idee, mal einen so genannten Doppeldecker zu laufen (also z.B. 30 km am Samstag und 40 km am Sonntag), war schon lange nicht mehr die Rede.

Andererseits, 100 km sind ja auch nur 5 x 20 km und 20 km gehen ja immer. Mit solchen Sprüchen machten wir uns Mut und versuchten das fehlende Training zu kompensieren. 5 oder 6 Wochen vor dem Termin hatten wir eine Generalprobe angesetzt und die nahmen wir sehr ernst. Wir hatten uns eine Runde rausgesucht, die etwa 57 km lang war, wenn das halbwegs funktionierte waren wir uns sicher, den Lauf zu schaffen, denn dann war es ja bloß noch ein Marathon und das konnten wir. Dieser Trainingslauf war unsere erste Ultradistanz (vorher waren wir beide nie weiter als ein Marathon gelaufen) und es lief hervorragend. Wir erfreuten uns einer gelungenen Renneinteilung, hatten ausreichend Verpflegungspunkte eingeplant, die wir auch alle nutzten und waren nach 7 h wieder zu Hause, natürlich geschafft und etwas kaputt aber keineswegs völlig am Ende.

Am letzten Montag vor dem Lauf, absolvierten wir noch einen 30er, der war wieder schlecht (wenigstens für mich). Wir liefen am Abend, es war warm und ich war heilfroh, als es zu Ende war. Aber was soll man machen, jetzt war es ohnehin zu spät. Donnerstagabend flogen wir nach Zürich und waren Freitag um 01:00 Uhr endlich im Hotel in Biel. Unsere Frauen begleiteten uns und ich hatte den Eindruck, dass sie aufgeregter waren als wir. Henning hatte sich zwei Tage vorher noch einen Insektenstich am Fuß eingefangen, der zu einer Schwellung führte und schon beim Gehen ziemlich weh tat. Das konnte ja heiter werden. Hennings Frau als mitreisende Ärztin ging mit uns in eine Apotheke vor Ort, unterhielt sich mit dem dortigen Personal auf Fachchinesisch und orderte ein Eisspray für vor- und nachher und eine Tube Kühlgel für unterwegs. Außerdem verpflichtete sie mich, dafür zu sorgen, dass Henning aufhörte, wenn es nicht mehr ging. Ich war schon im Wettkampfmodus und hätte auch dem Verkauf meiner Großmutter zugestimmt, wenn dies dazu geführt hätte, das Henning von ihr die Startfreigabe erhält.

Aber natürlich machte ich mir Sorgen und spielte verschiedene Szenarien durch und beschloss schließlich auf Henning und seine Lauferfahrung zu vertrauen und ihn wenn es notwendig sein sollte zu unterstützen. Außerdem wirkte das Eisspray nach der ersten Anwendung Wunder, Henning war für den Moment offensichtlich schmerzfrei und konnte drei oder vier Meter problemlos Probelaufen. Dann konnte es ja losgehen!

Punkt 17:00 Uhr waren wir bei der Startnummernausgabe. Dort erwartete uns ein heftiger Gewitterguss, der etwa 45 Minuten dauerte. Die Zeit verbrachten wir in einem Verpflegungszelt, das durch die Wassermassen fast weggespült wurde. Wir versuchten es, positiv zu sehen, dann würde es nämlich nachher nicht mehr regnen, außerdem kühlte es sich merklich ab und das war auf jeden Fall positiv. Den restlichen Abend verbrachten wir dann im Hotel, aßen noch eine Kleinigkeit, zogen uns um und wurden von unseren Frauen mit allen guten Wünschen in die Startzone entlassen.

Da saßen wir nun in unseren gesponserten Regencapes und fragten uns beim Anblick der Teilnehmer, ob wir hier wirklich hingehörten oder doch eher fehl am Platz waren. Leute ausgestattet mit riesigen Trinkrucksäcken, Kompressionsstrümpfen, Unmengen von Gels und Kopfhörern, blinkend wie ein Weihnachtsbaum in der deutschen Provinz. Halb amüsiert, halb fragend sahen wir dem Schauspiel zu, auf einmal war es kurz vor dem Start und da wir recht spät zur Startaufstellung kamen, mussten wir uns ganz hinten anstellen und starteten so ziemlich als letzte.

Nun ging es also los, das Abenteuer. Nach einem knappen Kilometer meinte Henning, dass das schwierig werden könnte mit seinem Fuß. Der tat doch mehr weh, als erhofft. Aufgeben war jetzt natürlich noch keine Option, 15 bis 20 km würden schon gehen und dann würde man weitersehen. Nach drei Kilometern machten wir eine Bewegungsanalyse, Henning lief ungefähr 5 Meter vor mir und ich schaute, ob irgendwas unrund lief oder es sonst einen Hinweis auf eine Schonhaltung gibt. Dem war zum Glück nicht so.

Wir hatten uns vorgenommen mit einem Schnitt um die 6 min/km zu starten, wobei das nur zur groben Orientierung dienen sollte, primäres Ziel war es anzukommen, idealerweise aus eigener Kraft und so, dass man noch einigermaßen alle Sinne zusammen hat. Auch bedingt durch die vielen Läufer vor uns pendelte sich die Laufpace bei 6:30 min/km ein und wenn wir liefen (und wir liefen etwa bis Kilometer 93) blieb es dabei. Im Nachhinein also offenbar genau die richtige Pace für die unvorbereiteten Debütanten.

Die erste Verpflegung bei knapp 4 Kilometer ließen wir aus, bei Kilometer 9 machten wir Pause. Etwas essen, vor allem trinken und Henning hatte ja noch ein Date mit seinem Kühlgel. Etwa bei Kilometer 15 machte ich mir das erste Mal echte Sorgen, ob ich die Strecke schaffen würde. Ich schwitzte sehr stark, die Luft hatte sich zwar durch das Gewitter abgekühlt aber die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch und ich hatte Sorge ob es mir gelingen würde, die notwendige Flüssigkeit zu mir zu nehmen. Außerdem musste ich den Salzverlust ausgleichen, sonst würde ich irgendwann Krämpfe bekommen. Dazu kam, dass ich langsam Hunger bekam, aber bereits jetzt mit der dargebotenen Verpflegung meine Probleme hatte.

Die bestand im Wesentlichen aus verschiedenen Energieriegeln, Bananen, Rosinen und Energiegetränken, Wasser, Tee und Cola und Gemüsebrühe. Alles nichts, was einem leeren Magen was zu tun gibt. Etwa bei Kilometer 25 beschloss ich das Hungergefühl weitestgehend zu ignorieren. Wir liefen ja so langsam, dass keine Gefahr bestand, dass ich einen Hungerast bekam, ich hatte einfach nur Hunger. Ich trank an jeder Verpflegung mehrere Becher Wasser, Tee und Gemüsebrühe, ließ mir dabei die Zeit, die notwendig war und zwang mich, ein, zwei Stückchen Banane, ein paar Rosinen und ein wenig trockenes Brot zu essen. Satt werden musste ich ja nicht, der Körper würde sich die Energie aus den Fettreserven ziehen.

Alles bestens also. Jetzt war ich mir sicher, das Ziel zu erreichen, es waren zwar noch 75 km, aber die sollten nun kein Problem mehr sein. Auch Henning hatte sich mit seinem Insektenstich so gut es ging arrangiert. Wir ließen uns an den Verpflegungen die Zeit, die wir benötigten, gingen ab jetzt die Anstiege, wie alle anderen um uns herum auch, hoch und dachten ansonsten nicht an das große Ziel in Biel, sondern an den nächsten Verpflegungspunkt. Alles, was wir dort aßen, tranken oder auch sonst taten musste schlicht bis zur nächsten Verpflegung reichen und dort würde man weitersehen.

Auf der Strecke überholten wir immer die gleichen Leute, die liefen zwar langsamer, hielten sich aber offenbar nicht so lange bei der Verpflegung auf. In Biel klatschten wir alle Kinder ab, die uns zujubelten, unterwegs grüßten wir praktisch alle Zuschauer und hielten auch mal einen kleinen Schwatz mit den Helfern. Ganz zum Schluss hatten ein paar Kinder vielleicht 800 m vor dem Ziel noch einen Stand mit Wasser aufgebaut. Natürlich war das nicht mehr nötig, hier noch was zu trinken, wir nahmen jeder einen Becher, bedienten uns gerne bei den angebotenen Blaubeeren und Henning sprach mit den Kindern ein wenig auf Französisch, was diese ganz toll fanden (Biel ist ja die größte zweisprachige Stadt der Schweiz).

Nach ungefähr 7,5 h erreichten wir Kirchberg. Das hatte ich mir als letzten großen Zeitnahmepunkt gemerkt. Hier ließ ich die Verpflegung erstmal beiseite und kaufte mir ein ziemlich großes Salamibaguette, dazu einen Kaffee. Endlich was Richtiges zu essen! Trockene Sachen angezogen, noch ordentlich Wasser und Cola getrunken und dann weiter! Jetzt war es ja nur noch ein Marathon. Hier in Kirchberg sahen wir zum ersten mal auch diejenigen, die nicht so viel Glück hatten. Die irgendwo hingefallen waren und hier ärztlich versorgt werden mussten oder die einfach nicht mehr konnten. Angesichts derer waren wir froh, dass wir den Emmendamm im Hellen laufen konnten. Im Dunkeln, nach 60 km liegt man auf einem Waldweg, der teilweise nur aus Wurzeln und Steinen besteht, schnell mal auf der Nase.

Auf der Homepage der Bieler Lauftage waren zwei Punkte erwähnt, die mein besonderes Interesse geweckt haben. Zum einen ein Kaffeemobil nach etwa 68 km. Hier tranken wir einen Kaffee, ich nahm noch einen Hefezopf mit Marmelade und wir nahmen gerne das Angebot an, uns einen Moment hinzusetzen. Der Bäcker bei Kilometer 72 spielt deshalb eine besondere Rolle, weil ich mir in meiner Phantasie immer vorgenommen habe, Samstagmorgen beim Bäcker ein schönes Stück Kuchen und einen Kaffee zu nehmen und die aufgehende Sonne zu genießen. Nun war die Sonne zwar schon aufgegangen, als wir da ankamen und zum Glück versteckte sie sich noch hinter ein paar Wolken, aber wir aßen vor dem Bäcker ein frisches Croissant und grüßten die Läufer, die an uns vorbeiliefen (die wir ja gerade alle überholt hatten). Wenn Träume wahr werden oder so!

Ungefähr nach zwei Dritteln der Strecke trafen wir dann unsere Frauen (später noch einmal), die Fotos machten und uns sagten, dass wir das ganz toll machten. Aber natürlich auch die Sorge, wie es uns und speziell Henning geht. Ob wir sie beruhigen konnten, weiß ich nicht aber so schlecht ging es ja tatsächlich nicht.

So gegen 11:00 Uhr kam die Sonne raus und es wurde doch recht warm. Das anlaufen nach den Pausen wurde immer anstrengender, Henning sein Fuß machte auch zunehmend Probleme und überhaupt machte sich nun doch eine gewisse Erschöpfung spürbar. So allmählich wurde es anstrengend. Irgendwann beschlossen wir dann, den Rest zu gehen und nur noch das letzte Stück zu laufen. Natürlich haben wir noch das obligatorische Foto bei Kilometer 99 gemacht und dann waren wir auch schon im Ziel.

Dort haben uns unsere Frauen erwartet, die die ganze Nacht nicht schlafen konnten und mit uns mitgefiebert haben. Ohne sie hätten wir das ohnehin nicht geschafft. Über meine Idee vom Vortag, am Nachmittag noch eine Bootstour auf dem Bieler See zu machen, konnten wir alle bloß noch müde lachen. Nach einem guten Abendbrot ging es dann zeitig ins Bett, weil wir am nächsten Tag schon um 05:00 Uhr nach Zürich gefahren sind, um von dort aus wieder nach Hause zu fliegen.

Abschließend noch ein Dank an die Organisatoren. Eine top organisierte Veranstaltung, die keine Wünsche offenlässt. Wir hatten das Glück, uns auch beim Chef des OK der Bieler Lauftage persönlich bedanken zu können, weil er gerade die Finishershirts ausgegeben hat, als wir da waren. Vielen Dank!

 

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Greif-Jünger

na ja, von jung kann ja keine Rede mehr sein, aber das ist ein anderes Thema 🙂

Prinzipiell bin ich ja der Meinung, dass man sich sehr lange durchaus erfolgreich selbst einen Trainingsplan basteln kann. Ich habe das ja auch mal einige Zeit gemacht. Dabei bin ich einmal in der Woche eine schnelle Einheit gelaufen, einmal eine längere Runde und den Rest habe ich damit aufgefüllt, was kam und ging (also sowohl was die Länge als auch die Intensität betrifft). Wenn man das eine Zeit lang macht, kann man schöne Erfolge erzielen. Das Ganze kann man dann noch mit ein bisschen Literatur verfeinern, Jack Daniels „Die Laufformel“ ist da ganz wunderbar geeignet.

Warum habe ich nun doch wieder (wie schon vor einigen Jahren) einen Greifplan bestellt? Nun zum einen, weil ich es kann 😉 Zum anderen habe ich diesmal eine realistische Steuerzeit für die 10 km eingegeben, d.h. eine Zeit von der ich glaube, dass ich sie im Moment tatsächlich laufen kann. Beim ersten Greifplan hatte ich eher meine Wunschzeit angegeben. Dazu noch 5 Trainingstage, das führte dazu, dass nach 8 Wochen (inklusive 4 Wochen Regeneration) im Prinzip die Luft raus war. Zum einen schaffe ich auf Grund meiner Reisetätigkeiten 5 Greifeinheiten (mit Umfängen von insgesamt durchschnittlich 80 – 100 km) nicht oder wenigstens nicht halbwegs regelmäßig, zum anderen war das Tempo war gemessen an der einzelnen Einheit machbar, aber in Summe eben eher nicht. Irgendwann habe ich es dann aufgegeben.

Diesmal also eine Steuerzeit von 42 Minuten (schon als Zielzeit), dazu nur 4 Trainingstage, anfänglich nur 70% Umfang, und eine Tempostufe (4 sek.) weniger. Damit treffe ich in der jetzigen Regenerationsphase exakt mein normales Dauerlauftempo, bzw. dieses ist ein wenig schneller. Das lässt mich hoffen, dass das diesmal besser klappt und ich mal testen kann, ob der Plan für mich für eine Marathonvorbereitung taugt. Grundsätzlich sind meine Unterdistanzzeiten ja nicht so schlecht, es wäre einfach schön, wenn ich es schaffen würde diese Pace mal über die Marathondistanz zu bringen.

So habe ich hoffentlich bei nur 4 Trainingstagen genug Spielraum das Training so zu verschieben, dass es dem Sinn nach erhalten bleibt und trotzdem in meine Woche reinpasst. Und es sicher auch mal wieder ganz angenehm, sich nicht immer überlegen zu müssen, was laufe ich heute, sondern sich einfach zu sagen, laufe ich halt das, was der Plan will.

Grobes Ziel ist der Hamburg-Marathon im Frühjahr.

Kleiner Zwischenstand

Nach dem Oberelbemarathon hatte ich ja verschiedene Ideen, welchen Marathon ich in diesem Jahr noch laufen könnte. Aus jetziger Sicht scheiden die klassischen Herbstmarathons alle aus und so hatte ich mir eigentlich den Marathon zur Rostocker Marathonnacht gestern vorgenommen. Leider hatte ich mir vor drei Wochen einen grippalen Infekt zugezogen, der zum einen unsere Zeitplanungen durcheinander gebracht hat und zum anderen schien es mir ratsam, auf einen Wettkampf recht kurz nach einer solchen Unpässlichkeit und der damit einhergehenden Laufpause zu verzichten.

Trotzdem kann es natürlich sein, dass ich irgendwann nochmals einen Wettkampf bestreite. Deshalb habe ich auch wieder ein bisschen Struktur in meine Laufbemühungen gebracht. Neben der Idee, jede Woche zwischen 60 und 70 km zu laufen, will ich auch wieder einmal pro Woche eine Tempoeinheit machen und die Läufe insgesamt etwas zügiger angehen.

Diese Woche also 4 x 1.000 m in etwas unter 4 min/km. Das geht zwar immer noch, ist aber inzwischen richtig anstrengend geworden. Im Rahmen der normalen Läufe streue ich nun auch wieder vermehrt schnellere Abschnitte ein, so z.B. gestern in dem 16 km Abendlauf 2 x 3.000 m in 4:25 bis 4:35 min/km. Das ist ein durchaus machbares Tempo, schon schnell, so dass ich konzentriert laufen muss aber nun auch wieder nicht so schnell, dass der Notarzt nebenher fahren sollte. Wenn ich es dann noch schaffe, einmal in der Woche etwas weiter zu laufen, bin ich für einen Marathon im Grunde jederzeit gerüstet.

Schauen wir mal, wie sich das so in den nächsten Wochen entwickelt.

Kurzer Zwischenstand zur Jahresaufgabe

Ich habe mir ja in diesem Jahr zwei kleine Aufgaben gestellt, die ich erreichen will. Zum einen will ich 10.000 Liegestütz machen, das sind am Tag durchschnittlich knapp 28 Stück und zum anderen will ich 3.000 km laufen, das sind am Tag gut 8 km.

Beides klingt erstmal nicht viel, die Herausforderung ist, das tatsächlich jeden Tag zu machen oder anders herum, wenn man schon mal was macht, gleich etwas mehr zu tun, weil man aus unterschiedlichen Gründen eben nicht jeden Tag dazu kommt, was zu machen.

In beiden Punkten liege ich im Moment ein bisschen hinter dem Schnitt zurück. Bei den Liegestütz sind es ungefähr 260, beim Laufen etwa 20 km. Bei den Liegestütz hatte ich mal eine kleine Phase, wo ich gar keine gemacht habe, seit dem hole ich aber wieder kontinuierlich auf. Beim laufen ist es ein wenig schwieriger, weil mich im Moment die Frühjahrspollen sehr im Griff haben. Beides ist aber noch problemlos aufzuholen, nur allzu viel trödeln darf ich nicht, nicht dass ich am 31. Dezember 500 Liegestütz machen muss und 120 km laufen muss.

Eine gute Möglichkeit kontinuierlich ein paar Kilometer zu sammeln besteht darin, wenig auf Reisen bin, morgens eine kleine Runde zu drehen. Meistens sind es nur 3 bis 5 km, die „richtige“ Einheit laufe ich dann ja ohnehin Abends (also 12 bis 16 km). Auf diese Weise schaffe ich in einer normalen Reisewoche etwa 10 bis 15 km zusätzlich. Bei den Liegestütz handhabe ich es inzwischen ähnlich, morgens nach dem Aufstehen 20 Stück und dann Abends nach dem Laufen nochmal 20. Das klappt ganz gut.

Mal sehen, wann mir die Luft ausgeht, ich werde berichten!

Der Oberelbemarathon

Ich hatte mich ja vor einiger Zeit schon für den Oberelbemarathon am 24.04.2016 angemeldet und nun war er also da, der Tag an dem ich nach drei oder vier Jahren mal wieder einen Marathon laufen wollte.

Die Vorbereitung war wie immer eher bescheiden, für ein halbwegs ordentliches Marathontraining fehlt mir schlicht die Zeit. So hatte ich zwar immerhin einen längeren Lauf (30 km) gemacht und dieser war auch gar nicht so schlecht aber ansonsten waren die längsten Läufe so um die 16 km lang, also viel zu kurz. Einzig die Tatsache, dass ich im Vergleich zu früher recht viel laufe (durchschnittlich 60 – 70 km pro Woche sind natürlich ein Witz aber wir lachen ja alle gerne mal), gab Anlass zu der Hoffnung, dass ich nicht wie sonst üblich auf dem zweiten Halbmarathon komplett eingehen würde.

Bei einem letzten Start an der Oberelbe vor 10 Jahren hatte ich am Wettkampftag einen Hexenschuss zugezogen. Dies blieb mir diesmal erspart, nur hatte ich wieder einen ziemlich schrecklichen Husten von den ganzen Pollen des Frühjahrs. Nun ja, was soll’s – irgendwas ist halt immer!

Was die Renngestaltung angeht, hatte ich mich (ganz im Gegensatz zu meinen sonstigen Versuchen) schlussendlich für eine recht konservative Taktik entschieden, die da lautete mit dem 3:30h Zugläufer zu starten und dann mal zu sehen, was passiert.

Am Sonntagmorgen war es lausig kalt und der Wind kam aus Nordwest was bedeutete, dass man die ganze Zeit Gegenwind hat. Die Strecke führt ja von Königstein immer an der Elbe nach Dresden rein, einzig in Pirna musste eine kleine Schleife gelaufen werden, da gab es dann mal ein paar Meter Rückenwind.

Am Start habe ich dann nach dem Zugläufer Ausschau gehalten, aber der ist wohl von ganz vorne gestartet, jedenfalls habe ich ihn erst nach über 10 km eingeholt. Alles in allem habe ich an meine Marschroute gehalten und bin die ersten 30 bis 35 km mit einem Schnitt von etwa 5:00 min/km gelaufen. Nach 33 km hatte ich 2 Minuten Vorsprung auf den 3:30 h Splitt. Dann wurde es doch recht zäh und die fehlenden langen Läufe machten sich bemerkbar. Zwei vergleichsweise lange Pausen an den Verpflegungsständen haben dann zu einem Zeitverlust von ein paar Minuten geführt. Außerdem ging der Kilometerschnitt noch ein bisschen herunter, so dass ich nach 3:35:00 h im Ziel war.

Im Stadion war dann der Weg zur Gepäckausgabe und zu den Umkleiden für den einen oder anderen sicher eine Herausforderung. Man musste nämlich die Treppen der Zuschauerränge des Stadions hochlaufen (und natürlich auch wieder runter!).

Insgesamt eine gelungene Veranstaltung, die sicher ein wenig unter dem Wetter gelitten hat. Immerhin war ich so schnell, dass H. mich zweimal vom Begleitdampfer aus fotografieren konnte.

Die Statistik zum Schluss:

Zieleinlauf nach 3:35:00 h, das reicht bei knapp 1.000 Startern für den 180. Platz gesamt und den 27. Platz in der AK 50 – 54. Nun ja!

Der Januar

Recht lange habe ich hier nichts mehr geschrieben. Und so sehr viel interessantes ist auch nicht passiert. Ich laufe immer noch und seit einiger Zeit auch wieder recht regelmäßig etwa 50 bis 60 km pro Woche, bisweilen auch mehr, selten weniger.

Schon vor einiger Zeit habe ich für den Oberelbe-Marathon Ende April gemeldet und hatte wie immer die Hoffnung, mal eine Vorbereitung machen zu können, die den Namen auch verdient. Nun, auch wie immer ist mir das bisher nicht gelungen. Recht wenige Tempoeinheiten und bisher noch gar keine langen Läufe, also irgendwas um die 30 km. Alles wie immer also. So ist also leider zu erwarten, dass der Marathon selbst auch wie immer läuft, starker Beginn und dann ab der Hälfte, noch stärkeres Nachlassen.

Schön ist aber dann doch, dass auch das schnellere Laufen immer noch ganz gut klappt, wenigstens dann wenn die schnellen Abschnitte nur einen Kilometer lang sind.

für dieses Jahr habe ich mir zwei kleine Herausforderungen vorgenommen. Zum einen will ich insgesamt 10.000 Liegestütz schaffen und zum anderen 3.000 km laufen. Das bedeutet, dass ich jeden Tag etwa 40 Ligestütz machen und gut 8 km laufen muss. Nach dem Januar liege ich bei den Liegestütz im Plan, bei den Laufkilometern habe ich etwa 20 km Verzug. Noch nicht schlimm, aber das sollte im Februar nicht mehr werden. Es bleibt spannend!

Intervalltraining am Sonntagvormittag

Nachdem ich am Sonnabend nicht laufen war (wegen Regen, Sturm und einer ziemlich ekligen Kombination aus beidem) und mich lieber auf meinem Hometrainer ausgetobt habe, sollte es am Sonntagvormittag dann doch eine Runde werden.

Damit ich nicht umsonst erst den Hügel hoch und dann wieder runter laufen muss, also schnell bei einem der potentiellen Mitläufer aus der sonntäglichen Laufgruppe angerufen und gefragt, ob er dabei ist. „Ja, ist angesetzt!“ wird mir beschieden, alleine wäre er wohl nicht losgelaufen aber nun sind wir ja schon zu zweit. Also bis gleich. Wenige Minuten später bin ich auf der Piste und hoffe, dass er ungefähr zur gleichen Zeit losgelaufen ist, wir uns also „oben“ auf dem „Berg“ treffen. Nun ja, 20 Minuten später, ich bin schon fast bei ihm zu Hause, sehe ich ihn los laufen aber dann gleich wieder anhalten, denn ein kurzer Schwatz über den Gartenzaun ist ja auch wichtig. So ergibt sich also nach ungefähr 3 km die erste Pause.

Nun aber! Die ersten 500 m des zweiten Intervalls tauschen wir uns darüber aus, wie viel wir in dieser Woche schon gelaufen sind. Er ist immerhin schon auf 5 km gekommen, nun ja die Zeiten, wo die Jungs 150 bis 200 km pro Woche gelaufen sind (und dabei die regenerativen Einheiten gar nicht mitgezählt haben) sind vorbei. Nach 500 m sammeln wir den nächsten aus der Sonntagscombo ein, Zeit für ein kleines Päuschen, um sich in aller Form begrüßen zu können.

Nun geht es tatsächlich 3 km ohne Unterbrechung weiter. Aber dann treffen wir auf die nächsten drei Teilnehmer unserer kleinen Sonntagsrunde. Obwohl so klein ist die Gruppe heute gar nicht, genau genommen sind heute sogar alle dabei. Jedenfalls, wenn sich sechs ältere Herren begegnen, ist zur Begrüßung natürlich zwingend eine Pause notwendig. Die Idee, durch den Wald zu laufen wird verworfen, nicht etwa wegen des Sturms und der herumfliegenden Äste sondern wegen dem Matsch. Die Zeiten wo man am Sonntag durch die tiefsten Schlammlöcher gescheucht wurde (vorzugsweise dann, wenn man neue Schuhe anhatte) sind auch vorbei.

Da die Kunde geht, dass wir noch einen weiteren Teilnehmer treffen werden steht auch fest, wo ungefähr wir lang laufen müssen. Angeregt plaudernd laufen wir also so dahin, mit etwa 4 km wird es das längste Intervall werden. Als jemand mal in die Büsche muss, warten wir selbstverständlich, nicht so wie früher als so etwas die Gelegenheit war, eine ordentliche Tempoattacke zu reiten und die nächsten Kilometer mit einer Pace von knapp über 4 min/km zu rennen. Soll derjenige doch zusehen, wie er wieder Anschluss gewinnt (Auch gerne genommen: Irgendwann umdrehen und dem Nachzügler aufreizend langsam entgegen zu joggen).

An der nächsten Kreuzung verabschiedet sich dann der erste, Zeit für eine kleine Pause. Irgendwo muss ja jetzt auch der (vielleicht) letzte Läufer sein, den wir noch einsammeln wollen und tatsächlich da hinten kommt er ja auch schon. Da können wir ja auch hier in dem Buswartehäuschen warten, zumal wir auch Gegenwind hätten und wer will das schon. Begrüßungspäuschen und dann weiter. Es stellt sich heraus, dass die Frau des letzten Läufers uns auch noch entgegenkommt, also los. Nun doch einen kleinen Waldweg entlang, treffen wir sie am Eingang zum Friedwald. Küsschen, Begrüßung, Pause – ist auch dringend nötig, immerhin sind wir so um die zwei Kilometer am Stück gelaufen. Den nächsten Hügel hoch, dann wieder Pause. Die Gruppe trennt sich, zu viert laufen wir weiter. Nach etwa einem Kilometer erneute Pause, hier verabschiede ich mich. Der Himmel sieht jetzt sehr bedrohlich aus, deshalb schnell den Berg runter. Trotzdem erwischt mich der Hagelschauer noch.

Das war also mein Intervalltraining für diese Woche!